Falls ich in der nächsten Zeit mal wieder enthusiastisch darüber jubele, dass das Social Web endlich im SF-Fandom angekommen sein soll - erinnert mich bitte an den Twitteraccount und die Facebook-Seite des DortCon-Teams, damit ich mich wieder etwas erden kann. Denn so ganz hat man in Dortmund nicht verstanden, was man mit diesen beiden bekannteren Werkzeugen - es gibt bekanntlich eine Unmenge von Social-Web-Diensten, auch ich kenne da nicht alle - auch während einer Veranstaltung machen kann. Also nicht nur, wie im Falle des Twitter-Accounts vorher.
Vielleicht liegt es daran, dass ich Social-Web-Dienste mit anderen Augen sehe. Nämlich nicht als kurzfristiges Aufmerksamkeitsinstrument - was funktionieren kann und wofür Twitter durchaus auch das richtige Medium ist - sondern als Erweiterung des Ereignisses selbst oder um es weniger geschwollen auszudrücken als Kommunikationskanal, der auch während der Veranstaltung bereit und aktiv sein sollte. Dem Zuschauer, der nicht nach Dortmund kommen kann einen Einblick zu geben, was gerade vor Ort passiert. Das ist offenbar nicht die Strategie des Twitter-Account des DortCons. Schade. Dabei ist das relativ kurzzeitige Aktivwerden bei Twitter kein Hemmnis, um viele Follower zu erreichen - vor allem: Die richtigen Leute zu erreichen. Aber 19 Follower und davon nur wenige, die wirkliche Influencer sind? Schade. Da scheint keine richtige Strategie hintergesteckt zu haben und das ist zu bedauern. Mag auch sein, dass morgen am Sonntag noch was kommt, ich bezweifle das aber.
Bei Facebook sieht das mit den Fans schon etwas besser aus, da sinds immerhin 183 - und auch etliche, die wirkliche Influencer sind. Allerdings: Aktuelle Infos zum Geschehen, Bilder oder mal ein kurzes Hallo - auch hier Fehlanzeige. Schade. Sehr schade. Wobei ich auch für aktuelle Live-Berichterstattungen tatsächlich auch immer Twitter vorziehen würde, das ist aktueller - aber ab und an mal ein Status bei Facebook kann man auch ohne WLAN im Gebäude dank UMTS wohl machen. Wenn man es denn möchte. Wenn man zu beschäftigt ist, die aufgemachten Kanäle zu befüllen wäre immerhin eine kleine Notiz vorab denkbar. Schade. Schade auch, dass die Symbole auf der Homepage so klein da oben in der Ecke versteckt sind - blaues Facebook-Symbol auf blauem Grund ist auch nicht unbedingt sichtbar. Dabei bieten die einzelnen Dienste doch genügend Widgets für die Homepage an.
Keine Frage, man kann natürlich im Social Web Aufmerksamkeit generieren. Dafür sind die neuen Kanäle da. Ich glaube, dass man hier momentan etwas verwechselt hat: Social Media als reinen Werbekanal - immerhin gibts keine Tweets von reinen Pressemeldungen, aber so spannend waren die Infos vorab bei Twitter nun auch nicht - zu verstehen greift viel zu kurz. Social Media ist Gespräch. Bei Twitter fand das überhaupt nicht statt, Links oder Add-Replies sind da nicht zu sehen. (Links auf die Homepage wären ja mal eine Mindestanforderung bei sowas, oder?) Bei Facebook gabs immerhin Antworten zu einigen Fragen, besonders kommunkativ sieht das aber auch nicht gerade aus. Es kann ja sein, dass es in einem Forum lebhafter war. Dank der fehlenden Links aber kriegt man das nicht mit. (Und nach einem Blog habe ich mir auch die Finger wundgesucht, auf der Homepage ist nichts erwähnt, es scheint tatsächlich keins zu geben. Schade.)
Dass sich bei Facebook noch etwas tun wird, davon gehe ich mal stark aus. Alleine die Besucher werden da Photos hochladen und Links zu ihren Berichten posten. Twitter - wohl eher nicht. Und da es ein Blog nicht gibt oder ich das nicht gefunden habe wirds wohl auf den Nachbericht auf der Homepage hinauslaufen. Was natürlich nicht schlecht ist. Generell aber bleibt der Eindruck bestehen, dass hier das gemacht worden ist, was ich in Anlehnung an Don Alphonso mal den "Adabei"-Trend taufe. Man will unbedingt auf Biegen und Brechen dabei sein, fragt sich aber vorher nicht ob es a) sinnvoll ist - der DortCon ist alle zwei Jahre, das Internet verändert sich permanent, was passiert zwischen den Jahren mit den Accounts und es kann ja sein, dass 2013 Facebook nicht mehr da ist. Und b) sollte man eine Strategie entwickeln und mit Synergien von allen Komponenten das Beste rausholen.