Ich bin mir zwar nicht bewußt, dass dieses Blog eine tendenzielle "Links"-Richtung hätte - so politisch gesehen - aber offenbar muss das ja der Fall sein. Denn schließlich betreibt dieses Blog ja - wie einige andere auch - eine kritische, aufgeschlossene und engagierte Diskussion darüber ob die SF-Reihe "Stahlfront" nun braune Tendenzen hat. Ich war - und ich glaube, dass darf ich auch sein - höchst erbost darüber dass der Begriff
Gedankenpolizei im letzten HJB-Newsletter verwendet wurde und der ausdrücklich auf alle Kritiker des Projektes bezogen wird. Man sollte seine Worte besser wählen. Deswegen schreibe ich auch hier nicht, was mir jetzt durch den Kopf ging sondern verweise darauf, dass man alle beanstandeten Textstellen in der Leseprobe des Romans fand und wenn dort keine bedenklichen Tendenzen zu finden sein sollen, nun, es steht natürlich jedem frei sich den Roman zu kaufen.
Das als längeres Vorwort vorweg, das eigentlich Interessante ist natürlich ein Interview, dass jetzt auf der Homepage der SF-Seite zu finden ist. (Und was meiner Meinung der schwächste Versuch eines PR-Stunts ist der mir je untergekommen ist...) Schön. Dann gehen wir mal ans Eingemachte und hören die Meinung des Autors:
And as I’ve had to see certain leftists starting a campaign against my work by using their usual tactics of combining propaganda, sarcasm and blatant lies I prefer to answer in the only one language I really speak perfectly.
Sarkasmus? Schuldig. Mit dem Thema kann ich auch nur sarkastisch umgehen, denn würde ich es ernstnehmen würde ich deutlich andere Postings formuliert haben, die sicherlich noch mehr schmerzen als das, was ich bisher dazu gemacht habe.
Im Übrigen werde ich nicht gern der Propaganda und der Lüge bezichtigt, ich glaube der Rest der Blogs die das Ganze bisher untersucht haben auch nicht und fordere deswegen direktemang auf: Ich will Beweise. Behaupten kann ich viel. Oh, und dann hätte ich bitteschön die Leseprobe auch im englischen Original - sonst heißt ja wieder: "Ach, der Übersetzer hat geschludert." (Ich glaube zwar nicht dass es eine gibt, denn das Englisch des Autors ist - nun ja - aber schön.) Also: Ich habe meine Quellen genannt und meine Textzitate aus der Leseprobe entnommen. Jetzt seid ihr dran.
Autsch. Ich glaube das lasse ich mal so stehen:
But I know for sure that people like those portrayed in the first chapter would never speak High German – I have watched one or two talk shows with guys that were perfect models for those villains.
Es geht um die Szene mit den türkischen Jugendlichen - die natürlich nie Hochdeutsch reden würden. Nie im Leben. Nie. Garantiert. Das weiß der Autor auch
mit Sicherheit, weil er nämlich solche Typen beobachtet hat. Die reden halt einfach so weil sie nicht anders können oder wie darf man das jetzt verstehen? Tja, doof, nich, wenn das Gegenargument den ganzen Verdächtigungen noch mehr Nahrung liefert. Und dann versucht er auch noch abzulenken und wirft Nebelkerzen. Nein, wir haben keine Probleme damit Deutsche als Helden zu aktzeptieren - wir haben Probleme mit der Darstellung der Nebencharaktere in dieser einen Szene. So, so der "Professor" besucht also regelmäßig Deutschland und stellt dann fest:
In German TV-shows the colors are greyish and the heroes are ugly – as long as they are Germans. Attractive heroes in German shows are of non-German origin.
Hmm - na ja. Never the same colour ist natürlich was anderes als PAL und ansonsten krümme ich mich gerade innerlich vor lachen wegen der Absurdität dieser Behauptungen...
I do not want to be forced to teach a black student only because he is black – while better qualified white students are not admitted to my classes only because of their skin-color. »Political correctness« nowadays is being held much higher than simple truths.
"Stahlfront" vermittelt also einfache Wahrheiten. Das könnte man so interpretieren wenn man sich das nochmal durchliest. Das Argument davor klingt zwar glaubwürdig, vermittelt aber dennoch die Weltsicht des Autors. Denn eine Förderung von Benachteiligten schwarze Hautfarbe bedeutet nicht, dass keine gleichwertigen Angebote für die Studenten anderer Hautfarbe existieren könnten. Aber das blendet der Autor natürlich elegant aus und beschränkt sich auf einfache Wahrheiten. Wie einfach die sind kann man ja in der Leseprobe nachlesen.
Und dann noch mit Eva Herrman kommen - ungeschickt, mein Freund, ungeschickt.
But the Thule forces are no suppressors. They accept homosexual behavior as long as it happens secretly.
Ah, hier zeigt sich der Amerikaner:
Don't ask, don't tell...
Und dann entlässt man den Autor weil man nicht alle fraglichen Stellen durchgehen möchte - ach, wie bequem aber auch. Wißt ihr, Jungs, was ich glaube? Dass ihr da einen PR-Stunt fährt. Oder einen fahren wollt. Oder versucht, virales Marketing zu betreiben. Denn wenn ich mir das Englisch anschaue glaube ich zu keiner Zeit und mit keiner Silbe dass ein Professor das verfasst hat. Eher jemand, der versucht ein Englisch zu schreiben das wie das eines Professors klingt.
Und nocheinmal: Ihr bleibt mir die Beweise für "Propaganda und offenkundliche Lügen" schuldig, die wir "Linken" verbreitet haben sollen. Behaupten kann ich viel, doch allein es fehlt der Glaube... Und über die "Gedankenpolizei" bin ich immer noch wütend: Ich glaube, die Demokratie kann und muss auch sowas wie "Stahlfront" aushalten, sie hält ja schließlich auch eine Partei wie die NPD aus. Allerdings ist es ein Unterschied ob man eine Kampagne startet und den Autor bewußt diffamiert und beleidigt; oder ob man kritisch fragt, ob diese Tendenzen, die aus der Lektüre und dem Text hervorgehen eine bestimmte politische Sichtweise der Welt ausdrücken oder ob sie das nicht tun. Natürlich steht es jedem Leser frei sich sein eigenes Urteil auszumachen - ein Vorwurf, der von anderer Seite herkam - es steht mir aber auch frei Kritik zu üben. Nun, immerhin geht der Autor auf die Kritiker ein um sie dann allesamt als "Linke" abzustellen. Nun, damit habe ich kein Problem. Mein Problem ist es wenn ich als offensichtlicher Lügner und Propagandist beschimpft werde. DAS liegt schon nah der Grenze zur Schmähkritik. Die ist abmahnwürdig übrigens, aber davon wollen wir ja erstmal gar nicht anfangen...