Wohin entwickelt sich Torchwood?
Mit "Ghost Machine" war am letzten Sonntag die dritte Folge von Torchwood bei BBC3 zu bewundern - ob diese bei BBC2 dann Mittwochs wiederholt wird muss ich nochmal nachsehen die Tage, könnte sein dass die BBC da eine doppelte Strategie fahren möchte. Und wer jetzt nicht wissen will was ich momentan über die Serie denke, denn dazu muss ich auf die Inhalte eingehen, der sollte nicht auf den Link klicken sondern das Posting hier komplett ignorieren - Spoiler ahead, also...
Die Ansätze sind vielversprechend: Wir haben Captain Jack, der am Ende der ersten Who-Staffel vom Doctor und von Rose ja zurückgelassen wurde, wir haben in der Tradition des Genres eine Organisation, die natürlich jenseits von Polizei, UN oder welchen anderen Organisationen auch immer steht und das Team ist nun nicht so groß wie bei "Lost" oder "Firefly" sondern noch so übersichtlich, dass man da nicht durcheinander kommt. (Obwohl, bei "West Wing" oder "Studio 60 on the Sunside Strip" komme ich auch nie durcheinander...) Zudem sind die drei bisherigen Folgen Einzelepisoden, der rote Faden - angeblich soll ja da die Gschichte von Jack für herhalten, davon hat man bisher nicht allzuviel gesehen - ist so lose, dass man gut und gerne eine Folge verpassen kann ohne sich Sorgen machen zu müssen nicht mitzukommen.
Warum also habe ich mir alle drei Folgen bisher zwar mit Vergnügen angesehen, ich werde mir die Staffel auch bis zum Ende gönnen, aber nicht so das Gefühl gehabt eine weitere Lieblingsserie von mir zu begutachten sondern eher ein "Guilty Pleasure"?
Hmmm... Mal überlegen...
Der Pilot der Serie ist natürlich daraufhin geschrieben worden, den Zuschauer neu in das Universum von Who und Torchwood einzuführen, denn nicht jeder wird Doctor Who kennen - wobei das in den UK definitiv überhaupt nicht der Fall sein kann, aber natürlich wird man auf das Publikum in anderen Ländern abgezielt haben wenn die Serie sich gut verkauft. Gut, "Gwen im Wunderland" mag für eine Pilotfolge reichen, Team wird kurz vorgestellt, es gab auch ein überraschendes Finale und die Stimmung der Serie ist auch sehr gut: Dunkler als bei Doctor Who, erwachsener, mit Blut und Gewalt und Sex. Dass aber dann in der nächsten Folge nach Schema F gehandelt wird - denn natürlich macht Gwen sofort DEN Fehler, der alles weitere in der Episode nach sich zieht - sorgt zwar für gute Unterhaltung, die abgetrennte Hand in der Nährstofflösung die wichtig für Jack ist führt natürlich einen weiteren Aspekt für den Hintergrund hinzu - und wer jetzt "The Christmas Invasion" kennt wird vermutlich wissen welche Hand da im Glas zu finden ist, ich sage nur Arthur Dent - aber passiert irgendetwas, was einem die Charaktere interessanter erscheinen lässt? Nein. Da gibts keine Entwicklung. Es ist natürlich gute Unterhaltung und wird auch definitiv gut ankommen, besonders hier in Deutschland weil der normale Deutsche ja Story-Arcs hasst und Monster-Der-Woche-Folgen seltsamerweise momentan gut ankommen - wie die X-Files hier ein Erfolg werden konnten ist mir ein Rätsel momentan, vielleicht weil die zu Beginn Einzelfolgen hatten und erst später den Story-Arc entwickelten? Falls "Torchwood" dies ebenfalls vorhat, sollten sie so langsam in die Hufe kommen.
In "Ghost Machine" gibts ja wenigstens schon mal einen Ansatz zur Entwicklung: Einerseits haben wir die Freundschaft zwischen Gwen und ihrem Freund, die auf eine harte Probe gestellt wird und die vermutlich nicht lange halten wird - oder zweifelt jemand daran nachdem Gwen zusammen mit Jack die Schießübungen absolviert hat? Wenn da kein Erotik-Potentials vorhanden war bin ich der Kaiser von Helgoland, Junge, da knistert es aber gewaltig. Und Jack ist wieder der "Happy Soldier", den wir aus Doctor Who kennen in diesen Momenten. Und wir haben Owen Harper, der in dieser Folge doch als Mensch sichtbar ist und nicht nur als Klischee-Geek-Charakter. Noch hat sich Gwen, nachdem sie das Artefakt - wobei: Sollte das nach den Erfahrungen im Piloten nicht permanent in der Torchwood-Filiale bleiben? Hmmm? - betätigt für ihren Freund ausgesprochen und die Szenen, die sich ihr widmen charakterisieren sie auch ein wenig besser als in den ersten zwei Folgen - vor allem ist das nett als er unbedingt die Wäsche machen möchte, grins - noch aber ist Torchwood zu sehr auf das Monster der Woche fixiert und Jacks Hintergrundgeschichte - da sind einige Fragen offen, die ich auch gerne beantwortet hätte, vielleicht in den nächsten Folgen - war diesmal kaum zu sehen. Allerdings färbt Gwen ja sichtlich auf ihn ab.
Ja, die Serie ist actionlastiger, dunkler und düsterer als Doctor Who - aber sie müsste noch einen Ticken besser werden um sich den Platz in meinem Herzen direkt neben der ersten neuen Staffel des Doctors, ja, ich mag Ecclestone lieber als Tennant, sorry, zu verdienen. Die Serie bietet enorm gute Unterhaltung, keine Frage. Aber der richtige Kick ist noch nicht dabeigewesen. Nun denn, nächste Folge haben wir also Cybermen vor uns, was ich schon nach dem Trailer vermutete... Schauen wir mal.