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Willkommen auf Barnard’s Planet

Si Chai Wong, Chingmy Yau und Suzie Creed arbeiten auf Barnard's Planet für die dortige Yakuza. Auf dem von einem Zwergstern beleuchteten Planeten, Temperaturen um die 15 Grad sind dort schon sommerlich, gehen alle drei ihren speziellen Aufträgen nach.
Da wäre einmal Suzie Creed, die Androidin der Firma Dynatech mit nymphomanischer Veranlagung mit der Fähigkeit der Gestaltwandlung. Sie schlüpft in die Rolle der Polizeichefin McLish - die echte Polizeichefin ist gerade unterwegs um ein "Gespräch" mit ihrem Ex-Mann zu führen. Dabei gerät Suzie direkt in ihren ersten Ermittlungsfall: Ein Serienmörder treibt in New Providence sein Unwesen und ermordet seine Opfer ohne dass jemand etwas hört oder sieht. Vermutlich wäre die Alkoholikerin und bis ins Mark korrupte echte Polizeichefin nie in der Lage gewesen den Fall zu lösen, zumal dann nicht wenn die Internal Affairs einen Vertreter - einen Rookie dazu noch - für sie abbestellt hätten. Aber Suzie hat es schon mit schwereren Kalibern aufgenommen und voller Elan stürzt sie sich in die Arbeit...
Chingmy Yau ist eigentlich die Konzernchefin für die Yakuza - inoffiziell weiß das jeder, aber Beweise dafür zu finden ist natürlich so eine Sache. Allerdings: Als sie ihren Liebhaber umbringen soll kneift sie und überlässt den Platz ihrer Klonschwester Si Chai Wong. Die sich jetzt damit rumschlagen darf, dass für die Enkelin des Yakuza-Chefs ein Konzert anberaumt wurde - und die Enkelin soll währenddessen entführt werden.
Suzie und Si haben zuletzt mit einem Androidenjäger von Dynatech zu tun. Und mit der Tatsache, dass zwischen den Triaden ein Bandenkrieg droht, was mit aller Macht verhindert werden muss. Im Grunde aber, so finden die Beiden schnell heraus, ist die Sache durchaus komplexer als es den Anschein hat, der Androidenjäger ist da noch das geringste Problem der Beiden...

Der Wunderwaldverlag ist einer der Kleinverlage, die Literatur abseits des Mainstreams publizieren. Was auf diesen Episodenroman aus der Feder von Ottmar Alzner durchaus zutrifft - schlagfertige, starke Frauenfiguren findet man in der SF nun nicht gerade häufig. Mir fällt gerade mal eben noch "Molly" aus Gibsons Neuromancer-Trilogie ein... Hmm? "Aruula" aus Maddrax? Mit dem Schwert sehr schlagfertig, aber nicht unbedingt bei den Dialogen...
Ein Wort zum Cover: Vielleicht sollte der Verlag sich bei der Neuauflage des Romans mal überlegen eventuell das Cover nochmal - nun - etwas umzugestalten. Der Autorenname ist kaum lesbar, der Titel ist in einem sehr seltsamen Rot gehalten und man muss schon genauer hinsehen um zu bemerken, dass diese grünen Kästchen - die den Blick sofort auf die Bildmitte rücken - aus einem Gerät stammen, das eine der beiden Frauen in der Hand hat. Da sollte man nochmal drübergehen, denn der Rest des Motivs sowie die Illustrationen im Inneren sind durchaus gut gelungen. Schreckt leider den Gelegenheitskäufer ab, dieses Cover. Aber auf den Inhalt kommt es ja bekanntlich an...
Und der ist erfrischend. Erfrischend anders. Alzner hat durchaus Ideen, die einen schmunzeln lassen: Ein Lovecraft-Themenpark etwa, Krokodile in den örtlichen Parks - das zaubert schon ein Lächeln auf das Gesicht des Lesers. Dazu kommen die schlagfertigen, pointierten Dialoge, die Frauenfiguren, die vielleicht ab und an ein kleines bißchen zu tough sind aber dennoch Spaß machen - soviel Spaß wie ein Bruce Willis in den "Die Hard"-Filmen halt - und der Erzählstil von Alzner. Es gelingt ihm mit knappen Sätzen Atmosphäre zu schaffen, Witz und Ironie sind an den richtigen Stellen und bei den Actionszenen rummst es gewaltig. Und zwar so gewaltig, dass man sich bisweilen ebenfalls ein Schmunzeln nicht verkneifen kann - wir sind im Jahr 3033, da ist es durchaus erlaubt wenn ab und an so einzelne Waffen nicht so ganz realitätsnah wirken. Aber nehmen Actionfilme es denn auch immer so genau mit der Realität? Ebend. Und man fühlt sich zudem recht gut unterhalten wenn die Charaktere dann ihre Handlungen auch noch teilweise sehr sarkastisch kommentieren. Man darf natürlich dann keine tiefschürfenden philophischen Einsichten in die Charaktere erwarten - sie sind interessant genug dass man ihnen als Leser gerne folgt und immerhin spart Alzner auch durchaus nicht mit einer Prise Erotik.
Barnard's Planet bietet also eigentlich das, was ein guter Actionfilm zu bieten hat: Charaktere die einen sympathisch sind und deren Abenteuer man gerne verfolgt, Actionszenen, die unterhalten und dabei nicht unbedingt so ganz glaubwürdig sind ab und an, Dialoge, die aus den besten Buddy-Movies stammen könnten und zudem gibts eine Prise Erotik dabei. Wer sich amüsant unterhalten lassen möchte und dabei starke Frauen erleben möchte, die nicht zimperlich sind für den ist das Buch gerade richtig.
Geschrieben von: Christian Spliess
03.12.2007, 20:24 Uhr | Kategorie: Allgemein
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