Scribd dürfte nicht allen die hier mitlesen bekannt sein. Es als "Youtube für Texte" zu umschreiben trifft es allerdings schon - man kann dort sämtliche Texte in allen Formaten hochladen und bekommt einen Flash-Player, den man dann ins Blog einbinden kann. Sei es um die eigene Hausarbeit zu zeigen, sei es um seine eigenen Romane zu promoten oder einfach nur Probekapitel anzubieten - Scribd ist dafür wie geschaffen.
Natürlich bleibt ein Mißbrauch des Dienstes nicht aus. Da tauchen dann halt schon mal Romane von Autoren auf, die das gar nicht gerne sehen dass die da online auftauchen. Oder deren Interessenvertreter. Dau gehört z.B. The Science Fiction and Fantasy Writers of America. Eine durchaus angesehen Institution die für die Rechte ihrer Autoren eintritt. So weit, so klar, so gut.
Doch die Interessenwahrung ist jetzt ein Stückchen zu weit gegangen: Im Rahmen des Digital Millennium Copyright Act ging The Science Fiction and Fantasy Writers of America gegen den Dienst von Scribd vor und bat einige Werke komplett zu entfernen. Scribd kam der Bitte umgehend nach. Nur: The Science Fiction and Fantasy Writers of America hat auch Werke entfernen lassen, bei denen die Vereinigung nun so gar nichts zu sagen hat.
So ist Cory Doctorows Reaktion auf die Nachricht, man hätte seinen Roman "Down and out of the Magic Kingdom" - da schuldet mir Heyne immer noch eine Mail, aber gut Ding will Weile haben - von Scribd heruntergenommen alles andere als mild. Schließlich hat The Science Fiction and Fantasy Writers of America mit dem Werk, das unter einer CC steht nun so gar nichts zu tun. Und nicht nur sein Roman ist von den Maßnahmen des Verbandes betroffen, nein, auch andere wie er im
BoingBoing aufzählt:
Included in the takedown were: a junior high teacher's bibliography of works that will excite children about reading sf, the back-catalog of a magazine called Ray Gun Revival, books by other authors who have never authorized SFWA to act on their behalf, such as Bruce Sterling, and my own Creative Commons-licensed novel, "Down and Out in the Magic Kingdom."
Im Rahmen des 1998 in Kraft getretenen DMCA können die Rechteinhaber die ISPs - in dem Falle halt Scribd - mit einer Meldung dazu zwingen die angezeigten Werke zu entfernen. Etwas, was bei Youtube nun auch immer mal wieder passiert. Was die Sache allerdings pikant macht ist, dass die SFWA bei einigen Werken nicht als Rechtevertretung für die Autoren agiert. So z.B. hat Cory Doctorow immer wieder darauf hingewiesen, dass die SFWA das bei ihm nicht tun solle wenn es um bestimmte Bereiche ginge:
Indeed, I have told Vice President Burt on multiple occasions that he may not represent me as a rightsholder in negotiations with Amazon, and other electronic publishing venues.
Scheint man nicht gehört zu haben. Was aber noch ärgerlicher ist: Die Takedown-Notice hat auch Werke betroffen die von denjenigen, die sie online stellten selbst geschrieben wurden. Bei einer Bibliographie von SF-Werken für Kids ist es fraglich, ob irgendwelche Rechte der SFWA betroffen worden sind wenn nur die Titel der Romane genannt werden, auch Essays in denen im Rahmen des "Fair Use" - nicht ganz deckungsgleich mit unserem Zitatrecht - aus Romanen zitiert wurde und damit eigenständige Arbeiten geschaffen wurden können eigentlich nicht als Verstoß gegen das Copyright gesehen werden. Dass man damit sich letztendlich ins eigene Fleisch schneidet weil gerade diese Leute die SF und die Werke der Autoren promoten ist der SFFWA nicht so ganz klar. Offensichtlich.
Wobei der Grund warum "Down and Out of the Magic Kingdom" - ein hervorragendes Buch übrigens und Heyne, ich habs nicht vergessen dass da noch eine Mail aussteht - auf der Liste der von Scribd heruntergenommen Werke landete nun einer ist, bei dem man lachen möchte wenn er nicht zum Weinen wäre:
In the case of Down and Out in the Magic Kingdom, the file included a blurb from Gardner Dozois, former longtime editor of Asimov's Science Fiction Magazine -- and it was that "Asimov" in "Asimov's Science Fiction Magazine" that triggered the takedown.
Das erinnert doch frappant jüngst an das Vorgehen der GEZ, die gegen Begriffe wie "GEZ-Gebühr" vorgehen wollte...
Das ganze Vorgehen wird auch nicht durch die Entschuldigung der SFWA gemildert, die verweist dass die Liste für Scribd.com wohl nicht ganz fehlerfrei gewesen sein mag und natürlich hätte man nie beabsichtigt Corys Werke oder andere legale Werke von Scribd.com zu entfernen:
SFWA's intention was to remove from scribd.com only works copyrighted by SFWA members who had authorized SFWA to act on their behalf. This kind of error will not happen again.
Festzustellen bleibt: Die SFWA hat sich eindeutig in die Nesseln gesetzt weil sie übereifrig damit beschäftigt war die ihr zugestandenen Rechte zu wahren. Dass, was natürlich ihr gutes Recht ist, das Eigentum und Copyright der SFWA-Eigentümer zu schützen ist sei natürlich nicht angezweifelt. Es fragt sich allerdings ob ein solches rigides Vorgehen nicht am Ende auf den zurückschlägt, der so eifrig und vorschnell die Rechtekeule in der Hand hatte - die SFWA wird noch einige Zeit damit zu tun haben ihr Image zu pflegen, soviel ist sicher. Den Stammspruch: "Erst denken, dann nochmals denken, dann erneut denken und dann handeln" sollte sich aber nicht nur die SFWA ins Stammbuch für die Zukunft schreiben...