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Wie Anderson klarmacht, dass Medien-SF und “ernsthafte” SF keine Widersprüche sein müssen

Zugegeben - Kevin J. Anderson lese ich nicht wirklich. Noch nicht mal im Traum. Mir fällt nur ein Titel ein, den ich von ihm kenne und das ist ausgerechnet ein Tie-In zu den "X-Akten" - Ruinen hieß der Roman wohl, irgendwas mit Inkas und geflügelten Schlangen und so also typisches Akte-X-Material. Oliver vom Film-und-Buch-Blog hat jetzt beim Lesen eines Artikels des Autors, der momentan wohl nicht online ist aber hier zu finden, schade, einige Gedanken niedergeschrieben und dazu gehören zwei, drei, die ich so unterschreiben kann, deswegen mal einige längere Zitate daraus:

Anderson weist auf die nicht neue Tatsache hin, dass die ‚Star Wars’ und ‚Star Trek’-Franchises die SF für ganz neue Nutzerschichten eröffnet haben, geht aber darüber hinaus und stellt die wohl kaum zu leugnende These auf, dass die Bedeutung dieser beiden Universen für die Massen-Verbreitung der SF mit der Übersetzung der Bibel in die Landessprachen zu vergleichen ist.


In der Tat - man frage mal den unbescholtenen mit SF sonst nichts am Hut habenden Bürger auf der Straße was ihm zum Begriff SF einfällt - entweder kommt dann Star Wars, Star Trek oder eventuell noch Perry Rhodan als Antwort.

In Fan-Kreisen ist es eine immer wieder gerne geführte Debatte, ob Media Tie-Ins die „ernsthafte SF“ (was ist das eigentlich genau?) kaputt machen würden. Dem entgegnet Anderson, dass das nun kein Nullsummen-Spiel sei und eben gerade nicht für einen Battltetech-Roman ein anspruchsvoller Roman nicht in den Buchregalen ausliege (bzw. verkauft wird), und das vielmehr die Romane zu populären SF und Fantasy-Serien dafür sorgten, dass die Buchhändler ihren Regalplatz für diese Genres erweitert haben; es wurde sich somit Platz im Buchladen für SF und Fantasy gerade erkämpft.


Stimmt - was ist ernsthafte SF? Die Hard-Tech-Variante in der Wissenschaftler versuchen uns zu Tode zu langweilen in dem sie ellenlange Beschreibungen von technischen Apparaten in den Romantext packen - Perry-Rhodan-Leser müssen jetzt unwillkürlich an den Begriff der Castorisierung denken? Nun wird niemand bestreiten wollen dass Heinlein, Welles oder Banks NICHT ernsthafte SF liefern, aber ist Jules Vernes dann etwa keine? Bevor niemand eine ernsthafte Definition von "ernsthafte" SF liefert sollte man sich hüten einen Begriff der Pop-SF einzuführen.

Ich möchte Science Fiction und Fantasy nicht so gerne unter dem Geschichtspunkt der Vereinsmeierei betrachten und begreifen, und fühle mich deswegen als Fan auch nicht automatisch zum Jugendwart ehrenhalber berufen, der auch gefälligst für Nachwuchs zu sorgen habe. Anderson kommt in seinem Aufsatz zu dem Fazit, dass man einfach Synergie-Effekte begrüßten sollte, wenn sich die verschiedenen Medien-Inkarnationen gegenseitig befruchten.


Den Posten eines Jugendwartes kann auch sicherlich gerne jemand anders als ich übernehmen, wenn allerdings weit und breit gejammert wird es fehle der Nachwuchs und dann nichts getan wird, dann muss man das zumindest mal anmerken. Ich bin sicher die Verleger von Perry Rhodan würden freudestrahlend mit belegbaren Zahlen ankommen wenn bewiesen worden wäre, dass Jugendliche die Serie mit Freuden lesen. Ebenso wie ja ernsthaft darüber nachgedacht wird warum man denn nun keinen Nachwuchs bekommt. Ich vermute Panini/Dino wird auf der Gamesconvention mehr Jugendliche erreicht haben als Perry Rhodan in einem ganzen Jahr.
Insofern hat Anderson recht: Anstatt sich hartbeißerisch in die Ideale der ach so hehren und idealen und besseren SF zu flüchten, ohne genauer definiert zu haben was diese eigentlich sein soll, sollte man gelassener agieren und eventuell ein wenig mit neuen Möglichkeiten spielen, die durch die Technologie und die neuen Gegebenheiten entstanden sind.
Geschrieben von: Christian Spliess
07.09.2007, 18:47 Uhr | Kategorie: Allgemein
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Funksprüche zu diesem Eintrag

  1. Eine wirklich interessantes Thema, wobei ich persönlich einfach mal Aristoteles sinngemäß zitiere, der die Aufgaben des Theaters prodesse und delectare genannt hat, also zu lehren und zu unterhalten. Wenn man sich die Battletech- bzw., was meine Freunde eher lesen, Warhammer-Romane anguckt und mit "ernster" SF oder Fantasy vergleicht, sollte der Unterschied eigentlich deutlich zu Tage treten: Meistens fehlen diesen der prodesse-Teil und sie unterhalten den Leser nur mit viel Geschnetzel, Blut und häufig drittklassigen Emotionen. Und wenn dann auch mal eine "Message" rübergebracht werden soll, kommt sie einem doch platt und aufgesetzt vor. Dabei will ich diese Bücher keinesfalls verteufeln: Ich erinnere mich noch gut daran, dass die ersten "richtigen" Bücher, nach den Kinderbüchern, die ich gelesen hab, billige Star Trek Romane aus der Bücherei waren, die außer viel technischen Firlefanz auch kaum was transportierten, dabei jedoch höchst unterhaltsam waren. (In Erinnerungen schwelg...) ToBo am 07.09.2007 um 21:04 | #
  2. Wie Mary Poppins doch so hybsch sagte: "A teaspoon of sugar helps the medicine go down..."
    Aber ich bezweifle, dass gerade bei Star-Trek-Romanen, wo sehr auf den Canon geachtet wird, keine Werte vermittelt werden. Selbst wenn es DSN-Romane sind so ist das Universum von Rhoddenberry doch eines, das wirklich wert auf gewisse Grundtugenden legt.
    Christian Spliess (Info) am 08.09.2007 um 01:16 | #

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