Eine Verfilmung eines Kultcomics ist generell eine schwierige Angelegenheit. Überhaupt sollte man von Comic-Verfilmungen die Finger lassen denn das, wie wir wissen, ist öfters in der Kinogeschichte schief gegangen. Und man kann es keinem recht machen. Wenn die Filmvorlage nun "V for Vendetta" ist, dann ist eine Verfilmung doppelt schwierig denn das Werk von Allan Moore ist vielschichtig. Oberflächlich gesehen ist "V für Vendetta" nichts anderes als eine Rachegeschichte eines Einzelnen, der als
Guy Fawkes verkleidet gegen seine Peiniger angeht und nebenbei eine faschistische Gesellschaft zerstört. Oberflächlich gesehen. Man kann sich natürlich fragen ob in diesem Zeiten, in denen der Terrorismus in den Schlagzeilen ist und der Irak immer noch brodelt und gärt der Zündstoff von Moore überhaupt eine Chance auf der großen Leinwand hat. Ja. Er hat durchaus. Räumen wir es von vorneherein ein: Ein Meisterwerk ist der Film nicht. Er ist allerdings auch keine Katastrophe sondern gut gemachtes Action-Kino mit Anspruch. Und das soll jetzt als Lob verstanden werden.
Es war natürlich klar, dass die ganze Vielschichtigkeit des Comics nun nicht vollends verfilmt werden konnte. So ist der Mittelteil, "Das verderbte Kabarett" im Film nur eine Nebenhandlung, in der allerdings Stephen Fry als Gordon brillieren darf - und es ist immer eine Freude, Stephen Fry auf der Leinwand zu sehen. Dieser spielt den Gastgeber einer Talkshow, der gegen das System aufbegehrt und dies führt dann zur vermeintlichen Verhaftung von Evey. Eine Sequenz, die im Comic und auch im Film eine zentrale Rolle einnimmt und über die man als Leser und Zuschauer geteilter Meinung sein darf: Ist sie Gehirnwäsche? Oder befreit V Evey tatsächlich von aller Angst und aller Furcht? Dankenswerterweise bleibt hier der Film dem Comic treu, die Meinung muss man sich selbst dazu bilden.
Hinzuerfunden haben die Wachowskis einen wesentlichen Handlungsstrang, der sich um Inspektor Finch dreht. Stephen Rear füllt diese Rolle mit sehr viel Verve aus und ist mir persönlich sowieso einer der sympathischeren Figuren im Comic, eine tragische zudem. Im Film nun kommt neben den schon aus den Comic bekannten Ereignissen in Larkhill noch eine weitere Komponente dazu: Den Grund, warum das System an die Macht kam. Wobei sich diese neue Komponente durchaus stimmig einfügt, besonders fehlen würde sie nicht wenn sie nicht da wäre. Und natürlich wurde auch die Zeit nach vorne verlegt: Der Film spielt in einem England von 2020, wobei - wer hier Laser oder irgendwas ähnliches erwartet der schaue sich besser die ersten Star-Wars-Filme an.
Warum der Film trotz der grandiosen und einfühlsamen Darstellung der Evey durch Nathalie Portman kein Meisterwerk ist liegt daran, dass man zwar die wesentlichen Elemente des Comics beibehalten hat andererseits hakt der Film dann nur Stationen ab die im Comic gerade durch die Entwicklung der Figuren spannend werden. Bis auf das zentrale Element, den Wandel Eveys, fehlt z. B. bei Finch diese spannende Entdeckung des Menschen hinter der Fassade. Oder nehmen wir den Führer, der im Comic zwar genauso wiederlich daherkommt wie im Film, aber der durchaus zu einer verständlichen Figur wird gerade gegen Ende. Wobei es natürlich ein netter Kniff ist wenn gerade der Großkanzler bis auf wenige Minuten nur per Leinwand im Film zu sehen ist. Das und die Szenen der Machtergreifung haben durchaus etwas von "Big Brother".
Bei den Machern der Matrix erwartet man natürlich gut choreographierte Kampfszenen und diese werden einem, neben anderem Augenzucker wie dann der Sprengung des Parlaments, auch geboten. Und die ein oder andere augenzwinkernde Referenz ist nicht zu übersehen - natürlich, Edmond Dantes ist augenfällig aber es macht durchaus Spaß wenn man in einer Szene dann in die Actionserie "Storm Saxxon" einsehen kann. :-) Es ist darüberhinaus erfreulich, dass sich die Wachowskis größtenteils an den Comic gehalten haben und nicht allzuviel neu oder anders machen wollten. Dadurch wird die Kernessenz des Comics, der nach den Grundrechten fragt, nach dem was für die Menschen wirklich wichtig ist über die Leinwand transportiert. Die Frage, ob V nun ein Terrorist, in den Augen des Systems ist er das und es wird im Film auch gesagt, oder eher ein Freiheitskämpfer ist - die lässt der Film ebenso wie der Comic dankenswerterweise offen.
Als Fazit bleibt, dass die Verfilmung gutes, sauberes Handwerk ist. Es ist Action-Kino, durchaus auch Popkorn-Kino. Aber Kino, das durchaus Fragen stellt, die man sich selbst beantworten muss.