Das 15. Jubiläumsjahr hat sie gerade noch so eben geschafft - aber jetzt ist wohl Schluss mit der SpaceView. Der Heel Verlag stellt offenbar das Magazin ein. Auch das NGC bedauert das, denn die SpaceView hat mich als Leser einige Zeit begleitet und Frau Kerns Kolumne werde ich vermissen. Neben den anderen Autoren natürlich. Neben der TVHighlights bleiben noch einige Spartenmagazine am Kiosk, die den Media-Fan über Phantastik informieren.
Warum die SpaceView gescheitert ist, darüber zu spekulieren ist müßig. Aber natürlich bieten sich drei Optionen an: dass der Printmarkt Konkurrenz durch das Internet bekommen hat, der Markt einfach übersättigt ist was Phantastik-Magazine anbelangt oder ob es vielleicht doch keinen Bedarf an gut recherchierten Hintergrundinformationen gibt. Die zweite Option der Marktübersättigung kann man dezidiert ausschließen: Angesichts der vielen Fachmagazin in anderen Sparten - Radtsport, Fernsehen, Frauenzeitschriften sowieso aber es gibt auch etliche Titel zum Thema Landleben oder Hunde - ist der Phantastik-Magazin-Anteil in Deutschland ja wirklich sehr, sehr übersichtlich. Da ist generell auch noch Platz. Daran liegts nicht.
Dass die Printbranche durch das Internet unter Druck geraten ist - ja, dem ist wohl so und das ist ein Faktum, mit dem Zeitungen zu kämpfen haben. Die IVW-Statistiken der letzten Jahre zeigen ja den
dramatischen Einbruch bei Print. Allerdings trifft das nicht unbedingt für alle zu, der "Cicero" etwa gelang eine
Auflagensteigerung, auch das
ARTE-Magazin schaffte das. Beides sind Titel, die nicht unbedingt Mainstream-Publikum erreichen. Dass der Marktanteil von Phantastik-Begeisterten in Deutschland kleiner als der von ARTE-Zuschauern darf man wohl annehmen. Dennoch kann man nicht verallgemeinern, dass das Internet allgemein Schuld am Niedergang eines Formates ist - wie so oft gibts im Leben Grauzonen.
Gibt es also beim deutschen Phantastik-Leser keinen Bedarf mehr an gut recherchierten Hintergrundinformationen und Meinungen über Serien? Hmmm. Darauf habe ich nun keine schlüssige Antwort. Aber gerade das wäre ja das Pfund, mit dem Verlage wuchern können: Gute Journalisten, Informationsvermittlung, die man sonst nicht im Netz bekommt. Dass das reine Abdrucken von Nachrichten an sich keine Zeitung mehr trägt haben diese in den letzten Jahre erfahren - Google News sei Dank. Aber andererseits gibts mit dem Wall Street Journal oder anderen Titeln auch Beispiele dafür, dass für hochwertige und gute Informationen auch gerne Geld gezahlt wird. (Dass der Werbemarkt bei Anzeigen einbricht ist auch noch eine Komponente, die mitspielen dürfte.) Und in dieser Hinsicht hatte die SpaceView ja die richtige Mischung: Ein wenig allgemeine Info, ein wenig Rezensionen und ausgefeilte Hintergrundartikel. Warum die Leserzahlen einbrachen - ein sich finanzierendes Projekt stellt man ja ansonsten nicht ein - wird man beim Heel Verlag wohl auch kaum erforschen, wobei das aber gute Hinweise für die Zukunft geben könnte.
Ich persönlich glaube, dass Leser gerne für gute Inhalte zahlen, dass man die Leser mit guten Sonderaktionen binden kann und vor allem, dass man Off- und Online-Aktivitäten unbedingt miteinander verbinden muss. Und zwar so, dass sie sich ergänzen. Die "Cicero" macht das ebenso beispielhaft vor wie DieZEIT oder die KWest. Bei der SpaceView hat das mit dem Online- und Offline stets immer geknirscht... Vor allem glaube ich, dass die deutsche Phantastik-Szene nicht mit eBooks und iPad rechnet. Es ist zwar nicht der Heilige Gral, aber auf diesem Feld tun sich Zeitschriften aus der deutschen Phantastik-Szene immer noch etwas schwer. Aber gut, letzten Endes bleibt der Fakt: Die SpaceView wird es nicht mehr geben. Dies ist schade. Vielleicht aber auch ein Anstoß die Debatte um die Zukunft der Zeitschriften - und auch der Fanzines, über kurz oder lang werden die auch nicht vom Aboschwund verschont bleiben - neu nachzudenken.