Der HJB-Verlag dürfte kein unbekannter Kleinverlag in der Szene sein: Schließlich ist er der Heimatverlag von Ren Dhark, die Serie die damals mit Band 98 eingestellt wurde und seitdem in Nachdrucken und neuen Hardcoverromanen ihre Käufer findet. Eine Serie, die wohl durchaus ihre Käufer findet. Ab und an versucht der HJB-Verlag es wohl auch mit neuen Serien - mal erfolgreich, mal weniger erfolgreich. "Terra 5500" von Jo Zybell gibts dort exklusiv z.B. und dann die Serie, die mir immer noch schwer im Magen liegt: "Syndic", diese Möchtegern-ZBV-Remake-Reihe von Conrad Shepherd. (Ich glaube, das ist ein alter Perry-Rhodan-Autor, aber das ist jetzt nicht so von Belang.)
"Stahlfront" nun, dass der HJB-Verlag wohl nur vertreibt, der eigentliche Verlag sitzt wohl in der Schweiz wenn ich das richtig entwirren konnte, ist
die neue SF-Military-Serie des Amerikaners Torn Chaines, der in den USA keinen Verlag für sein Werk fand.
Ich habe nichts gegen Military-SF außer dass ich sie nicht lese. Aber der zweite Satz, der stößt mir schon mal etwas merkwürdig auf. Torn Chaines? Klingt nach Brian Frost oder Jason Dark - sprich, es klingt nach einem Pseudonym. Einem schlecht erfundenem zudem. Mal schauen, was ist denn dieser Chaines eigentlich für einer, da gibts doch eine Biographie auf der Seite....
Torn Chaines, Jahrgang 1939, war lange Jahre Professor für Geschichte und deutsche Literatur an einer der renommierten Universitäten der amerikanischen »Ivy League«. Entmutigt von einem Hochschulbetrieb, der sich mehr und mehr den Diktaten der »political correctness« unterwarf, nahm er vorzeitig seinen Abschied, um in Zukunft nur noch zu schreiben.
Chaines, geschieden und kinderlos, lebt heute in einem Blockhaus im äußersten Nordosten der USA. Es liegt tief versteckt in den schier endlosen Wäldern rings um den Moosehead Lake.
Seine ehemaligen Kollegen und Feinde zeigten sich unversöhnlich und verhinderten eine Veröffentlichung seiner Werke in den USA. Und so mußte Chaines den für einen amerikanischen Autor ungewöhnlichen Weg wählen, sich einen Verleger in Europa zu suchen.
Bwahahahahahahahahahahahahahahaha... Prust... Sorry, aber wer das Ernst nimmt sollte sich vielleicht mal vergegenwärtigen dass die GOR-Romane in den USA immer noch verlegt werden, trotz der SM-Szenen und der Frauenversklavung, dass es in den USA zudem auch manche Bücher gibt, die hierzulande nicht erscheinen würden wegen der rechtsradikalen Tendenz. Ehrlich: Das nehm ich dem Verlag nicht ab. Sorry. Der Bezug auf die "Ivy League" ist übrigens alles andere als glücklich, diese "Verbindung" gibts in den USA tatsächlich, aber:
The Ivy League was specifically associated with the WASP establishment. Phrases such as "Ivy League snobbery" are ubiquitous in nonfiction and fiction writing of the twentieth century. A Louis Auchincloss character dreads "the aridity of snobbery which he knew infected the Ivy League colleges". A business writer, warning in 2001 against discriminatory hiring, presented a cautionary example of an attitude to avoid (the bracketed phrase is his): "We Ivy Leaguers [read: mostly white and Anglo] know that an Ivy League degree is a mark of the kind of person who is likely to succeed in this organization."
So die
Wikipedia. Ts, ts, ts... Sehen wir mal davon ab, dass das Verhalten sich als Autor in einem Blockhaus irgendwo in den Weiten der USA zu verstecken nun irgendwie nach Terrorist-Sein riecht... Oder Hinterwäldler.
Aber schauen wir doch mal in die Leseprobe, die lange, die ich natürlich heruntergeladen und gesichert habe, wer weiß wie lange die noch online steht und man hat doch gerne was als Beleg, gelle?
Dann legen wir mal los...
Ah ja, klar, stahlblaue Augen, harter Blick, durchaus gestählter Körper - so, so. Na schön, ein Klischee, das oft im Heftroman vorkommen. Es entschuldigt aber nicht für den Schreibstil, der schon auf den ersten sechs Seiten einen derart langweilt, dass man das Teil am liebsten nicht weiterlesen möchte. Schon die ersten Sätze sind fürcherlich:
Der Krieg war kaum noch zu vermeiden. Würde es angesichts der Konfrontation einer Groß- und einer Supermacht zum weltzerstörenden atomaren Schlagabtausch kommen? Magnus Wittmann hoffte, daß dieser Kelch erneut an der auch ohne Krieg schon mehr als geplagten Menschheit vorübergehen würde.
Gähn...
Hmm, diese Kampfszene zwischen dem Wittmann und den Jugendlichen ist zwar etwas - nun - seltsam, vor allem die Szene danach, aber eventuell noch im Rahmen. Wenngleich ich auch gefühlsmäßig schon etwas seltsam berührt bin.
Ah, musste ja so kommen: Der tolle Pilot, der nicht nur im Bett seinen Mann steht sondern auch im Einsatz. Oh - my - God, sowas kann man doch nicht - doch, man kann es schreiben. Das ist ein Niveau, dass selbst "Maddrax" oder "Lassiter" unterläuft - nichts gegen die Serien natürlich, ich will damit nur ausdrücken, dass die immerhin ein Niveau HABEN - ich habe nie einen Landser-Roman gelesen, aber auf Seite 25 ahne ich, wie sich sowas lesen muss... Brrrr... Na schön, aber bisher noch nichts, was einen aufregen könnte - außer dem enervierenden Anfängerschreibstil des Autoren und ab und an fehlendem Lektorat.
Oh - moment - was ist das denn da:
»Du weißt genau, daß ich Jahrgangsbester meiner Pilotenklasse war. Ich bin nur deswegen nicht zu den Jägern übernommen worden, weil Washington beschlossen hatte, etwas fürs Image zu tun und in jenem Jahr ausschließlich Afroamerikaner für die Jäger aussuchte!« [...]
Höre ich da unterbewußt heraus, dass der Pilot des Flugzeugs was gegen Schwarze hat? Was im nächsten Absatz dann auch mit dem Wort "Rassist" angesprochen wird - was man natürlich sagen muss wenn man sowas schreibt, aber hey, das ist der HELD der der Geschichte - denke ich mir mal. Dann lese ich vermehrt das Wort "Schlitzaugen" für die Chinesen. Höchst bedenklich.
Dann wendet sich die Handlung wieder nach Berlin, nachdem ich seitenweise Military-Porn über mich ergehen lassen musste - deswegen hasse ich Military-SF und jetzt haben wir einen netten Dialog zwischen Magnus und seinem Vorgesetzen Mulisch. Magnus wurde gerade eine Frau mit "Migrationshintergrund" vorgesetzt:
»Sie ist nicht nur eine Frau, sondern auch eine Türkin!«
Ähm, wie bitte? Frauenfeindlich und rassistisch eingestellt? Das geht ganz eindeutig in eine Richtung, die mehr als nur hellbraun zu deuten ist. Eher ein wenig brauner. Und es kommt noch härter:
Sehen wir den Dingen ins Auge: Leute wie ich gelten nicht mehr viel in diesem Land. Und ich will verdammt sein, wenn ich gegen meine Überzeugung zur Ihrem oder gar Demirels Glauben konvertiere, nur um meine Karriere anzuschieben.
Hier wird bewußt gezündelt - nämlich mit all dem Argument, dass die Rechten auch immer bringen: "Die Ausländer nehmen uns aufrechten Deutschen ja die Arbeitsplätze weg." Ob einer von denen sich auch nur entferntesten für einen Müllarbeiterjob hergeben würde? Ist zu bezweifeln...
Miliary-Porn-Handlung mit eingreifenden Deutschen - gähn.
Rückblick nach Berlin und jetzt kommen Sätze die eindeutig beweisen wessen Geistes Kind der Autor ist:
Es blieb ihm nichts anderes übrig, als Aysche Demirel zu ertragen. Von ihr begeistert sein mußte er nicht. Sobald er nur an sie dachte, hatte er ihre riesige Nase vor
Augen. Ein Grinsen stahl sich auf sein Gesicht. Es war kein Wunder, daß Dinge wie Schleier und Burka in dem Kulturkreis erfunden worden waren, dem Demirel entstammte.
Wir erinnern uns wie die Nazis die Juden karikierten? Ja? Erinnern wir uns auch an deren "lange Nasen"? Oder in diesem Fall "riesige Nasen"? Das ist keine Formulierung, die hier mal eben dem Autor durchrutschte, nicht nach den Passagen die hier zitiert worden sind - das ist eindeutig.
Die letzten Modelle dieses Typs waren 1943 gebaut worden, aber das änderte nichts an ihrer Gefährlichkeit. Die Waffe war noch echte deutsche Wertarbeit, ihre Patronen vom Kaliber neun Millimeter konnten einen Mann heute noch ebenso töten wie vor 65 Jahren.
Echte - deutsche - Wertarbeit - ist das also - noch. Ich glaube den Kommentar kann ich mir schenken, die Frage stellt sich offenbar von selbst. Nicht? Na schön: Wenn das noch deutsche Wertarbeit aus den Zeiten des zweiten Weltkriegs und noch früher ist, dann kann ja das, was heute hergestellt wird das nicht mehr sein, oder? So impliziert das der Autor jedenfalls mit dem kleinen Wörtchen "noch".
Wittmann allerdings wurde nachdenklich. Er hatte Baumbach schließlich kennengelernt. Der Mann war kein Spinner und schon gar kein Schriftsteller gewesen.
Oh nein, er hat sich in der Szene davor einfach nur als Nazianhänger geoutet - so ein Mann kann ja kein Spinner sein, nein, beileibe nicht...
Oh dear - die Thule-Geschichte. Mit Deutschen, die in Uniformen stecken, die nicht nur dezent an den zweiten Weltkrieg denken lassen. Oh dear dann auch dazu:
Wir brauchen jeden Nordmann, den wir bekommen können! Sie wurden ausgewählt, McBain, weil Sie die richtigen Gene haben!«
Nordmann? Gene? Mir wird schlecht...
Et voila:
Äußerlich war Magnus kühl und gelassen, doch innerlich fluchte er voller Verzweiflung. Scheiß-Emanzipation! Ein Mann sollte niemals dazu gezwungen werden, eine Frau zu töten.
Frauen hatten in kämpfenden Einheiten nichts verloren!
Jetzt ist mir noch ein wenig schlechter - sehen wir mal von den schlecht geschriebenen Action-Szenen ab. Würg.
Und es kommt natürlich wie es kommen muss, Wittmann als Einzelkämpfer gegen einen hochüberlegenen Gegner. Na raten wir mal dezent wer da gewinnt...
Auch wenn wir nicht mehr in Deutschland leben, sind wir Deutsche durch und durch, und wir reden deutsch. Also vergessen Sie das Yankee-Kauderwelsch.
Ahja.
Geyer sah ihn lange und eindringlich an. Er winkte eine Ordonnanz herbei und ließ eine neue Runde Kaffee bringen, bevor er endlich fortfuhr: »Wir hatten Sie schon lange im Visier, Wittmann. Die Thule-Truppen brauchen Männer wie Sie für den Kampf um die Erde. Daß Ihr Freund Behrens nun auch an Bord hat, halte ich für etwas unglücklich.« Zum erstenmal schaute er Manfred offen und direkt in die Augen. »Leute wie Sie mögen wir in Thule nicht besonders – wenn Sie verstehen, was ich meine!«
»Oh, ich verstehe sehr gut!« Behrens’ Stimme klang leise und trotzdem schrill. »Sie haben etwas gegen Schwule. Sie befürchten, ›jemand wie ich‹ könnte ein bißchen zu viel Schwung in ihren Männergesangsverein bringen!«
»Ja, mit viel bösem Willen könnte man es so ausdrücken.«
Mir ist noch übler als vorhin...
Manfred Behrens machte ein spöttisch-skeptisches Gesicht.
»Sie wollen mir allen Ernstes erzählen, daß mitten unter uns eine Armee außerirdischer Zombies wandelt, und keiner hätte was bemerkt?«
»Die AIn-Lakaien sind keine Untoten. Gefallen Sie sich eigentlich sehr darin, Ihre deutsche Muttersprache so zu verunstalten, Behrens? Oder sind Sie Amerikaner und haben nur 'nen deutschen Namen angenommen? Reden Sie deutsch, Mann!«
»Warum sollte ich? Nur weil Sie die moderne Sprache der Gegenwart uncool finden?«
»Ich finde Ihr Kauderwelsch keineswegs unkalt, nichtkalt oder warm, wie immer auch man es übersetzen mag. Ich finde einfach nur dämlich!«
Wie kann man - man kann. Hallo Gesellschaft zur Rettung der Deutschen Sprache? Ich glaube, DEN würdet ihr mit Freudne aufnehmen, ihr Klapprechner-Erfinder, gelle?
OH - MY - GOD - jetzt reichts. Ich bin auf Seite 125 der langen Leseprobe und weigere mich auch nur einen Satz von diesem Gefasel weiterzulesen:
Der Generalmajor lächelte, sein Blick war fast milde. »Und wenn es so wäre, Herr Behrens? Aber ich kann Sie beruhigen.
In früheren Zeiten hätte man sicher von Ariern gesprochen, aber wissenschaftlich betrachtet handelt es sich eben um Menschen indogermanischer Herkunft. Diese spezielle Erbinformation, die uns – Sie auch, Behrens, obwohl man es kaum glauben möchte – vor einer Versklavung durch die AIn schützt, findet man vor allem bei den blonden Völkern Nordwesteuropas. Skandinavier, Engländer, Iren, Holländer, Deutsche, Nordfranzosen und Norditaliener – sie alle haben dieses schützende Gen. Aber eben nicht nur sie. Es gibt durchaus auch schwarzhaarige Indogermanen. Mein Kampfsporttrainer Ali Azimi beispielsweise ist Perser.«
Das Perfide an diesen Passagen ist ja: Sie bewegen sich noch im Rahmen unserer Gesetze. Da ist nichts, was die Behörden als wirklich ernstzunehmenden Rassismus einstufen würden vor allem, weil der Autor auch noch geschickt den Eindruck erweckt, in Wirklichkeit sei das ja alles gar nicht so und gegen Rassismus ist der deutsche Protagonist ja auch und überhaupt sei das ja alles nicht so schlimm. Doch. Es ist schlimm. Hier wird bewußt - ja, bewußt, denn die Textbeispiele belegen es eindeutig - mit Formulierungen und Themen gearbeitet, die recht nahe an dem stehen, was man Rechts kennt: Höherstufung der "Indogermanen", die immun sind gegen die Beeinflussung von Außerirdischen Intelligenzen, Haß auf die Emanzipation und deren Auswirkungen, "lange Nasen", die durch Burkas verdeckt werden müssen damit der Held sich nicht ekelt und ein Ressentiment gegen Schwule, dass mich einfach nur kopfschüttelnd dastehen lässt. Das alles findet man bei den Rechten genau so oder noch schlimmer wieder - und deswegen ist das, was der HJB-Verlag da vertreibt - nicht verlegt, dafür scheint der Stoff dann doch noch zu heiß zu sein - in meinen Augen und wie ich anhand der Textstellen auch nachweisen konnte eine Schande. Eine Schande für die SF-Literatur an sich, eine Schande für den Verlag der solches druckt und eine Beleidigung für das Genre der Military-SF. Und es ist eine Schande für die gute, elegant geschriebene SF-Literatur obendrein. Wenn ich einen Vorschlag für die Papiergestaltung machen darf: Tiefbraun finde ich sehr passend...