SpaceView: Geglückter Relaunch?
Noch ausführlicher und noch unterhaltsamer - so stellt sich der Relaunch der SpaceView selbst vor. Cover und Inhalte in neuer Optik, das sieht ja schon mal recht gut aus mag sich mancher Abonnent oder Käufer denken, aber noch ausführlicher? Noch unterhaltsamer? Geht das wenn man sich auf die Kernqualitäten des Magazins besinnen will?
Die Zauberformel heißt: Ausführliche Schwerpunkte. 10 Jahre Stargate und 30 Jahre Star Wars sowie die Chancen und Problematiken von Buchverfilmungen bilden die Kernelemente dieser ersten neuen Ausgabe. Damit, so Markus Rohde - der Neue - möchte man sich einerseits vermehrt auf die Kernkompetenz der Zeitschrift besinnen, die da lautet "SF, Fantasy, Horror". Andererseits rückt man die Fankultur neu in den Focus. Die Rubrik des "Fandom Observer" - die Fanzine-Kollegen fühlen sich hoffentlich geehrt - bietet vier Seiten über jeweils einen Bericht über eine Convention an, wobei die Großen offenbar ebenso zum Zuge kommen wie die Kleinen - von den Fantasydays auf Burg Satzwey habe ich jedenfalls noch nie gehört, natürlich werden die FedCon, das Star-Wars-Event in London und die Animagic gewürdigt. Jeweils mit schick "versetzten" Photos bebildert könnte diese neue Rubrik durchaus begeistern - wenn, ja, wenn sich an dieser Stelle nicht das Konzept der Ausführlichkeit mit dem Konzept der Berichterstattung von den Conventions etwas beißen würde. Eine Seite, auf der überwiegend Photos und nur kleinere Textabschnitte zu sehen sind über jeweils einen Con entspricht nicht das, was ich mir von einer ausführlichen Berichterstattung respektive "Zurück zu den Wurzeln" erwartet habe. Mike Hillenbrandts Fanporträts aus der Star-Trek-Szene etwa, die in früheren Ausgaben erschienen, hatten wenigstens eine Doppelseite zur Verfügung. Wenn man wirklich aus dem Fandom berichten möchte sollte man das in Zukunft dann doch ausführlicher tun als in dieser ersten neuen Ausgabe. (Wobei die Interviews mit den Stars von den jeweiligen Veranstaltungen in die Specials gerückt wurden, aber das hat ja mit dem Fandom an sich nun nichts zu tun.)
Für die Artikel hat ein dreispaltiges ziemlich breites Layout Einzug gehalten - die Film- und Kino-News sind im Vierspaltenformat plus Extra-Blöcken zu aktuellen Themen oder Verlosungen geblieben, da hat sich optisch nicht so viel getan. Auffallend ist aber dass die optischen Spieleren mit Hintergrundphotos bei den Artikeln komplett einem durchgängig weißem Hintergrund gewichen sind, was dem Heft eine sachlichere Note verleiht. Zudem werdne die Bilder oftmals zu Photostrecken angeordnet wie man sie vom Web her kennt oder als Rahmen - so beim Star-Wars-Artikel etwa oder bei der Kernspalterei. Aber ebenso wie die vorkommenden Einzelbilder sind diese deutlicher vom Text abgesetzt - sehr luftig, weiße Leerflächen werden hier dazu genutzt.
Erfrischend ist die Kommentierung der Leserbriefe durch Markus Rohde, erinnert mich an Mad-Mike, der diese Kernfunktion bei Maddrax in ähnlicher Art und Weise betreibt. Und sogar eine Satire-Seite gibt es jetzt. Was die Kernspalterei-Kolumne dann wiederum schön als Abschluss wirken lässt, weil man vorne, in der Mitte und gegen Ende sehr frische, amüsante Inhalte vor sich hat. (Frau Kern wie gewohnt gut, ich habe die SpaceView bekanntermaßen nur wegen Claudia abonniert - ähem - und wegen Christian Humberg natürlich. Hüstel.)
Schwerpunkte also - durchaus ein Konzept, das aufgeht denn bekanntermaßen holt man sich News und aktuelle Entwicklungen aus dem Netz, eine Zeitschrift, die die Chance nutzt hier ein Thema auf mehreren Seiten genauer zu beleuchten könnte ja nichts falsch machen. Und in der Tat: Das sind die Stärken der neuen SpaceView - wenn ich auch als Nicht-Stargate-Fan nun unwillig einige Seiten mehr überblättern muss als noch kürzlich, für den Fan aber wohl die richtige Mischung, die auch in den anderen Schwerpunkten beibehalten wird: Interviews wechseln sich mit Hintergrundartikeln ab und eine humorige Gegenüberstellung zwischen Star-Trek-Fans und Star Wars-Fans ist mit eines der Highlights in diesem Heft. Das andere: Die ausführliche Beschäftigung von Christian Humberg mit dem Thema der Buchverfilmung und den Chancen und Risiken der kommenden Filme. Davon in Zukunft bitte mehr, liebe Redaktion. Wenn die nächsten Berichte - "Heroes" ist angekündigt - genauso werden, dann ist das definitiv eines der Pfunde mit denen die SpaceView wuchern kann.
Erhalten geblieben sind die Spiele-, Buch-, Film- und DVD-Rezensionen - wie gewohnt gibts längere Besprechungen und die Newsbits. Eine Neuerung noch "Fünf Fragen - keine Antwort". Kann es sein, dass Markus Rohde ein sehr, sehr, sehr fröhlicher Mensch ist? Soviel Schmunzelinhalt hatte man ja selten in einer Ausgabe.
Schön auch zum Schluss die Bilanzierung von drei Space-View-Redakteuren - von denen man auch endlich mal ein Gesicht sieht. ;-)
Als Fazit bleibt: Die grobe Richtung stimmt, die Kernkompetenzen sind da. Mit den Themenschwerpunkten beleuchtet man Hintergründe und bietet Interviews zu ausgesuchten Themen, alte Rubriken sind erhalten geblieben, zwei oder drei neue dazugekommen. Wünschenswert wäre - was aber für die nächste Ausgabe schon angekündigt ist, Stichwort "Fanfilme" - dass der "Fandom Observer" einen Tacken ausführlicher über Conventions oder Entwicklungen im Fandom berichtet. Das fehlte mir in dieser Ausgabe, vier Seiten sind einfach zu wenig.
Von der Optik her ist das Ganze deutlich sachlicher geworden, allerdings frage ich mich ja wie diese neue Satire-Komik-Mischung bei den Fans ankommt. Ich persönlich mag es, wenn Leserbriefe auch mal bissiger kommentiert werden, das findet aber nicht jeder so toll. Gut, bei Mad-Mike ist das des Pudels Kern, aber als Leser kennt man das schon wenn man wie ich unzählige Heftromanserien gelesen hat, die alle in seinen Händen lagen - also fast so gut wie jede Phantastik-Serie seit "Dämonenland". ;-)
Man kann also noch ein wenig am Konzept feilen, insgesamt gesehen aber durchaus eine runde Sache, der Relaunch der SpaceView.
(Und soeben habe ich einen manuellen Trackback ins Gästebuch gelegt - ob das da jemand versteht? ;-))