Seit März 2005 gibt es die Kurzgeschichten-Rubrik in der Space-View, in der Helmut W. Mommers bekannte und nicht so bekannte Autoren vorstellt. Diese Reihe ist jetzt Geschichte, denn wie
auf der Seite von Mommers zu lesen hat die Space-View für externe Kräfte kein Geld mehr:
Kontinuierlicher Auflagenschwund innerhalb der letzten paar Jahre auf nur noch die Hälfte der verkauften Exemplare, verbunden mit zunehmendem Kostendruck, haben den Verlag bewogen, die Story-Rubrik zugunsten populärerer Inhalte, die keine zusätzlichen externen Kosten für Betreuung und Lektorat erfordern, per 2007 einzustellen.
Dabei gab es doch Stimmen die eine Renaissance der Kurzgeschichten in Deutschland ausmachten da es doch viele Anthologien in den letzten Jahren gab in denen vermehrt Kurzgeschichten des Genres herausgegeben wurden.
Die Frage ist jedoch nicht die ob der Boom herbeigeschrieben wurde sondern ob das Zielpublikum der Space-View, man wollte ja neue Kundschaften mit den Kurzgeschichten erschließen, erreicht wurde. Offenbar ist das nicht der Fall gewesen und während
andere Kommentatoren sich berufen fühlen das Problem darin zu sehen, dass die junge Generation nicht mehr Genre-Literatur überhaupt und an sich lesen würde - Harry Potter und Konsorten sind da ausgenommen - ist meine Sichtart da etwas differenzierter.
Zum Einen darf es als Erfolg gewertet werden dass die Rubrik überhaupt eingeführt wurde und so lange lief. Dass sie sich nicht etablieren konnte ist natürlich für diejenigen ein Verlust, die gehofft hatten wieder Kurzgeschichten in deutschen Magazinen zu verankern, Vorbild C'T. Das Publikum der Space-View allerdings ist nicht gerade literaturaffin - anders ist da offenbar das Publikum der C'T, die auch gerne längere Texte über Fachthemen lesen. Jeder der mal einen Blick in die Space-View gemacht hat wird wissen, dass über zwei Drittel der Zeitschrift sich mit Themen aus der sogenannten Medien-SF beschäftigen. Zwei Rezensionsseiten sind nun wirklich nicht die Rede wert in diesem Magazin. Aber: Der Mut der Space-View überhaupt sich an die literarische Ecke zu wagen ist bemerkenswert und sollte auch gewürdigt werden.
Zum Anderen: Ich vermute, dass man einfach zu früh aufgegeben hat, eine neue Rubrik braucht Zeit um sich zu etablieren und ein Jahr plus paar zerquetschte Monate ist nicht sonderlich viel für ein Magazin, dass zweimonatlich erscheint. Es ist natürlich auch schwierig zu entscheiden welche Geschichten jetzt für ein Zielpublikum geeignet sind, die Mommers-Auswahl war durch die Bank eigentlich recht hochwertig, aber offenbar will der Zufallskäufer, der Berichte über Medien-SF erwartet nicht unbedingt mit "unwichtigem Gedöns" abgelenkt werden.
Es ist müßig darüber zu spekulieren in wieweit das Niveau der Geschichten an sich den Leser abgeschreckt haben oder jedenfalls nicht für eine Weiterempfehlung gesorgt haben - Literatur ist Geschmackssache, Mommers Auswahl war, wie oben geschrieben, auch durch die Bank gut, aber ehrlicherweise gesagt: Würde man mich jetzt als Abonnenten fragen ob ich mich an eine Geschichte besonders erinnern könnte aus dem letzten Jahr - ich müsste verneinen.
Sehen wir das Ganze als das was es ist: Eine durchaus beachtenswerte Leistung, die zwar nicht mit Erfolg abgeschlossen wurde aber vielleicht Vorläufer für ein besseres Einbinden dieser Inhalte in Magazine sein kann.