Pauschale Antworten habe natürlich auch ich nicht und so vermessen sein zu sagen "Daran liegts" oder "Deswegen nicht" bin ich auch nicht. Aber ich vermute dass es drei Gründe gibt warum es hierzulande im Gegensatz zu den USA an SF-Podcasts mangelt.
Erstens: "Um Gotteswillen, die Leute sollen meine Bücher kaufen und die nicht kostenlos aus dem Netz bekommen wenn ich die als Autor vorlese."
Da ist sie wieder: Die Angst, dass man etwas verschenkt, wenn man es kostenlos im Netz für die Welt freigibt. Begründet? Unbegründet? Warum stellt man dann kostenlose Kurzgeschichten ins Netz? Ist das nicht das Gleiche? Da nimmt man sich doch auch Leser weg. Oder? Allerdings: Falls jemand mit "Earthcore" oder "Ancestor" was anfangen kann -
Scott Sigler, der zuerst diese Romane, die er fertig in der Schublade hatte aber dafür dann doch letztendlich keinen Verlag fand, als kostenlose Audiodateien anbot kann sich wohl kaum über den Verkauf der Printversionen beklagen. Der Trick hierbei ist allerdings, dass die Buchausgabe noch zusätzlichen Inhalt enthielt - in diesem Fall einen Epilog, der nicht im Podcast vorkam.
J. C. Hutchins hat mit der 7th-Son-Trilogie ebenfalls einen erfolgreichen Podcast ins Leben gerufen und sogar die Premiere des Buches in Second Life begangen. Zwei Beispiele, bei denen es funktioniert. Jetzt wird man natürlich einwenden: Die kennt doch hierzulande kein Mensch. Stimmt - die kannte aber vorher auch in den USA kein Mensch, durch die Podcasts haben sie genug Werbung für sich selbst betrieben dass die Bücher offenbar - genaue Zahlen gibts da momentan noch nicht, dazu ist das Phänomen Podiobooks auch noch zu jung - verkauft werden. Also wenn das für unbekannte Autoren funktioniert, warum sollte das für bekanntere jetzt nicht gelten?
Zweitens: "Aber das kostet doch alles unnötige Zeit."
Stimmt. Andererseits: Gute PR kostet auch Zeit. Eine Webseite zu betreuen und pflegen kostet auch Zeit. Einen Newsletter zu erstellen ebenfalls. Natürlich ist ein MP3-File nicht so einfach zu erstellen wie ein Text und die Frage ist auch, ob man das jetzt durch einen professionellen Sprecher oder selbst vorliest, Studio oder Homebrew-Aufnahme etc. pp. Allerdings: Bei Podcasts sind die Toleranzgrenzen was die Qualität betrifft bei den Hörern größer als beim UKW-Radio oder bei Hörbüchern. Was jetzt nicht heißt, dass man unbedingt keine Qualität bringen sollte, aber die angesprochene Qualität liegt dann doch an anderer Stelle. Bei den Inhalten. Anders ausgedrückt: Wenn der Inhalt gut ist, kann das Audiofile auch eine nicht so gute Qualität haben.
Drittens: "Oh Gott - ein Mikro! Nee. Und dann wollen die Leser auch noch was von mir."
Mikrophon-Angst kann ich nachvollziehen, dafür bietet sich ja dann auch an das Andere machen zu lassen. Aber wer vor einem direkten Kontakt mit dem Leser Angst hat, der sollte sich fragen ob er nicht vielleicht seine Berufung woanders findet - immerhin, für wen schreibt man denn wenn nicht für seine Leser? Natürlich begibt man sich auf Augenhöhe mit seinen Lesern wenn man bloggt oder podcastet. Aber das ist ja durchaus spannend. Finde ich jedenfalls.
Ob das wirklich die Gründe sind? Ich vermute schon, aber wenn ihr was anderes meint dann stehen euch die Kommentare offen. ;-)