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Serenity - Glaube, Liebe und Hoffnung

Spoileralert, Spoileralert - Serenity-Spoiler folgen - und zwar en masse. Wenn ihr nicht wissen wollt, wie Joss Whedon Firefly auf die große Leinwand bekommen hat solltet ihr nicht auf den Link zum Weiterlesen klicken. Eine Frage kann ich allerdings hier beantworten: Ja, man kann Serenity auch ohne Vorwissen von Firefly genießen. Aber das war so ziemlich der einzige spoilerfreie Satz in diesem Posting von der Warnung abgesehen...
Schon in den ersten zehn Minuten von "Serenity - Flucht in neue Welten" wird einem klar, dass man es hier mit einem besonderen Regisseur und Drehbuchschreiber zu tun hat. Denn Joss Whedon belässt es nicht bei einem Anfang sondern er verschachtelt auf sehr faszinierende Art und Weise drei Anfänge miteinander: Zuerst werfen wir einen Blick zurück in Rivers Kindheit und bekommen nochmal die Grundprämissen des SF-Universums erklärt. Die Erde existiert nicht mehr, die Menschheit hat sie wie das ganze Sol-System verbraucht. Man fand ein neues Solarsystem, schickte zuerst Maschinen zum Terraformen hin und dann - vermutlich mit Generationenraumschiffen, aber das wird nicht explizit erklärt - kamen die Siedler hinterher. Die inneren Planeten bildeten "Die Allianz", die von einem weisen Rat und Parlament regiert wird. Dort herrscht eine hochtechnisierte Zivilisation vor. Wenn man dagegen an den Rand des Systems kommt, dann sind die Verhältnisse eher - nun - sagen wir robust. Im Laufe der Geschichte gab es einen Krieg, den die Allianz gewonnen hat.
Schnitt. Die vorhergehende Szene entpuppt sich als Traum von River Tam, die in einem öminosen Institut Tests unterzogen wird. Der leitende Wissenschaftler erklärt einem hochrangigem Allianz-Mitglied, Zuschauer der Serie werden ihn sofort als Rivers Bruder Simon erkennen, dass River ein wirklich lohnendes Testobjekt ist. Wer die Serie kennt wird natürlich wissen, was in den nächsten Minuten passiert: Simon befreit River aus der ominösen Anstalt.
Schnitt. Die ganze Fluchtszene ist eigentlich nur eine Aufzeichnung, die sich der aus "Objects in Space" bekannte Bountyhunter ansieht. Er hat den Auftrag River koste es was es wolle zurückzubringen und geht, weil er aufrichtig glaubt das Richtige zu tun, dafür über Leichen. Was er schon in den nächsten Minuten eindrucksvoll unter Beweis stellt...
Allein diese ersten Minuten genügen um den Zuschauer zu vermitteln, dass man bei "Serenity" eigentlich alles erwarten kann, was sich für einen guten SF-Film gehört: Nämlich eine spannende Handlung mit reichlich Action, Charakteren mit Tiefgang und zudem als Sahnehäubchen obendrauf hat der Film auch noch neben der Handlung an der Oberfläche noch genug Tiefe um einen Nachdenken zu lassen wenn man es denn möchte.
Sicher - es gibt tolle Stunts, wunderschöne Spezialeffekte, man genieße nur den Flug durch die Ionenwolke zu Mr. Universe' Anwesen oder die rasanten Raumschlachten, die bei "Serenity" natürlich auch vorhanden sind. Zwar hat man hier nicht das Budget von Star-Wars vorliegen gehabt, aber Joss Whedon hat mit den Mitteln, die ihm zur Verfügung standen, das Beste gemacht: Wie gesagt, die Raumschlachten haben den gewissen "Whow"-Faktor. Und: Wer bisher glaubte, dass man im Weltraum stets irgendwelche Geräusche bei den Schlachten bräuchte hat sich geirrt. Bei den Szenen, die im All spielen reicht bei "Serenity" nämlich die wunderschöne Filmmusik. Wer jetzt nicht ohne das obligatorischen Triebwerksdröhnen leben kann: Keine Sorge, sobald die Serenity oder sich ein anderes Schiff im Orbit eines Planeten befindet, hört man das Geräuschszenario welches man als SF-Fan irgendwie auch voraussetzt.
"Serenity" erklärt nicht alles und wer Joss Whedon kennt weiß, dass er mit einigen harten Brocken rechnen muss. So muss man als Fan Abschied nehmen von Wash und von Shepard Book. Damit bleibt offen, wer Book wirklich war und warum er so gut über das System und die Allianz Bescheid wusste. Es gibt ein bezeichnendes Gespräch zwischen Mal und Book, in dem dieser zwar sagt, dass er nicht immer ein Shepard gewesen ist aber er Mal nicht heute von seinem Leben erzählen will.
Hart schlucken muss man beim Tod von Wash, denn dieser kommt so überraschend und unerwartet, dass man es zuerst nicht glauben möchte. Aber Whedon-Fans wissen: Kein Charakter ist in Joss' Serien wirklich sicher. Dennoch, er ist fies und hinterhältig und gemein und eine Serenity ohne Wash als Piloten kann ich mir schwer vorstellen.
In "Serenity" wird aber natürlich dann doch noch einiges erklärt: So unter anderem die Herkunft der gefürchteten Reaver, die mit Rivers Schicksal verknüpft sind. Wer jetzt aber glaubt, dass man nur einen Action-Kracher sehen wird, der täuscht sich. Sicherlich machen diese Szenen einen Großteil des Films aus, aber wer die Serie kennt wird wissen, dass die Beziehungen der Besatzung untereinander nicht gerade unproblematisch sind - und wer die Serie nicht kennt, dem wird das auch recht schnell klar. Es gelingt Joss diese Beziehungen fortzuentwickeln und dabei auch Nichtserienkenner schnell merken zu lassen wer den jetzt da mit wem anbändelt.
Überhaupt findet der Film die perfekte Balance, was Filme die auf Serien beruhen ja selten gelingt: Wer die Serie kennt wird genausoviel Spaß haben wie der, der die Serie nicht gesehen hat und den Film nur als reinen "Stand-alone" anschaut. Und noch eine perfekte Balance hält der Film zwischen der schon angesprochenen actionreichen Handlung und den Stellen zum Nachdenken. Es geht um Glauben, um Hoffnung und um Liebe - das betont Mal zum Schluss nochmal recht deutlich. Der Glaubensaspekt wird natürlich durch Book verkörpert aber auch der Bountyhunter, übrigens ein eindrucksvoller Gegner und am Schluss für mich glaubwürdiger in seiner Wandlung als ein gewisser Anakin, sowie Mal beschäftigen sich mit dem Glauben an sich. Dabei, so macht es Book klar, geht es nicht immer darum an Gott zu glauben. Sondern einfach an etwas zu glauben, das einem Kraft verleiht. Und die Hoffnung - nun, wenn zweimal im Film wörtlich "You can't stop the signal" erwähnt wird, auf deutsch also "Man kann das Signal nicht stoppen"... Man könnte jetzt natürlich noch zeilenweise darüber spekulieren ob Joss Whedon bewußt auf die Worte des Apostel Paulus "Dennoch bleiben Glauben, Hoffnung, Liebe, diese drei" Bezug nimmt, was gar nicht so unpassend wäre, aber darüber sollen sich andere Leute Gedanken machen.
Ein wichtiger Aspekt ist noch der Humor, der wie gewohnt bei Joss trocken daherkommt. Sei es die Sache mit dem Passwort beim Überfall zu Beginn, Jaynes diversen Onlineliner - die im Original vermutlich noch besser sein dürften als in der Synchro - oder die Tatsache, dass auf chinesisch geflucht wird. Und hier muss man der Synchro ein großes Lob aussprechen: Es gibt keine erklärenden Untertitel sondern die chinesischen Zitate werden nicht erklärt und wirken dadurch doppelt so gut. An die deutschen Stimmen muss man sich gewöhnen, Mal hat die von "Spike" bekommen, ansonsten hat man hier keine allzu großen Fehlgriffe getan wenngleich der Doktor und River vielleicht eine Spur zu jung klingen. Aber wer merkt das schon wenn man die Serie nicht Original gesehen hat...
Was bleibt also nach knapp zwei Stunden? Action mit Tiefgang, Charaktere mit Profil und Effekte, die nicht Selbstzweck sind. Oder anders gesagt: Man bekommt in zwei Stunden anspruchsvolle Unterhaltung. Was heutzutage schon Seltenheitswert besitzt.
Und ja, selbst wenn ich nicht voreingenommen wäre und nie etwas von der Serie selbst gesehen hätte, ich würde ihn auf jeden Fall empfehlen. Am 24.11 startet der Film offiziell in den Kinos, geht rein, lasst euch unterhalten.
Geschrieben von: Christian Spliess
05.11.2005, 03:18 Uhr | Kategorie: Serien
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Autor: Christian Spließ | Herausgeber: medienrauschen Netzwerk | Alle Rechte vorbehalten.

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