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Samuel Beckett springt wieder!

Die Meldung gabs natürlich schon bei etlichen anderen Kollegen zu lesen: Der deutsche SCIFI-Channel wiederholt momentan die Serie "Quantum Leap", die RTL eigentlich auch für dieses Jahr angesagt hatte wenn ich mich recht erinnere, bisher aber kam es offenbar zu keiner Wiederholung. Das hindert mich aber bekanntlich nicht bei einer Serie, die ich ebenso schätze wie diverse andere einige Worte zu verlieren. Und zudem gibts die erste Staffel seit Juni diesen Jahres auch auf DVD, wenn auch bei den anderen Staffeln Universal leider einige Musiktitel ersetzte weil man die Rechte nicht kaufen konnte oder wollte. Das soll aber hier nicht weiter von Belang sein, noch haben wir erst die erste Staffel auf DVD vorliegen und deswegen ist es opportun mal genauer hinzuschauen in diese Serie, in der der Hauptcharakter immer mal wieder jemand anderer ist...
Gehen wir ins Seriendetail und schauen uns an, was überhaupt "Quantum Leap" ist. In erster Linie eine Zeitreiseserie, der deutsche Titel deutet es ja schon an vermute ich mal. Zeitreiseserien gehören zum Standardrepertoire der SF, so war es dann auch nicht allzu überraschend dass NBC sich entschloss sich auf dieses Feld der SF zu wagen. Die Serie selbst wurde von Donald Bellisario entwickelt, der Mann, der schon diverse Serienerfolge aufweisen konnte. "Magnum", "Airwolf", zuletzt "JAG" und "NCIS" stammen aus seiner Feder. So ganz wollte man bei NBC aber dem ganzen noch nicht trauen, daher hat die erste Staffel von "Quantum Leap" auch nur 8 Folgen, die Serie brachte es aber immerhin auf 97.
Der Pilotfilm entführt uns in die Zukunft des Jahres 1995. Genauer gesagt in die Wüste von New Mexico. Dort arbeiten an einem strenggeheimen Forschungsprojekt der geniale Doktor Samuel "Sam" Beckett und sein Freund Albert "Al" Calavicci mit dem Computer Ziggy zusammen. Das Ziel: Die Theorie von Doktor Beckett zu beweisen, dass man innerhalb der Zeitspanne seines eigenen Lebens durch die Zeit reisen kann. Doch das Projekt steht auf der Kippe, die militärischen Gelder sollen gestrichen werden. Und während Al mit einer Blondine in der Wüste herumfährt, einer sehr attraktiven Blondine übrigens, steigt Doktor Sam Beckett in den von ihm erfundenen "Quantenbeschleuniger" - "Accelerator Chamber" - und springt in die Vergangenheit. Wie wir natürlich alle wissen gehen solche Experimente selten gut und öfters schief und so ist es auch hier: Sam erwacht am nächsten Morgen im Körper des Testpiloten Tom Stratton, sein Gedächtnis hat Löcher wie ein Schweizer Käse, ein Nebeneffekt des Sprungs und zudem hat er keine Ahnung was er in der Vergangenheit eigentlich tun soll. Glücklicherweise wissen Ziggy und Al, der als "holographische Projektion" erscheint Rat. Nur Sam kann Al sehen, wobei der Begriff "Hologramm" etwas irreführend ist, da Al eine sogenannte "Bilderkammer" betritt, sich also eher indirekt Sam mitteilt durchaus aber die Fähigkeiten eines Bildes hat, er kann durch Wände oder Türen gehen und wird nur von Sam wahrgenommen sowie von Tieren und kleinen Kindern. Und Al hat wiederum nur durch den "Handlink" mit Ziggy Kontakt wenn er in der Kammer ist, die Technik ist aber alles andere als perfekt so dass auch Al teilweise raten muss was Sam zu tun hat. Denn Gott, das Schicksal oder was auch immer hat Sam zu einer Art "Rettungssanitäter" gemacht: Um irgendwann wieder nach Hause zu kommen muss Sam das reparieren was in der Vergangenheit falsch gelaufen ist. Dabei erfolgt ein Austausch - Sams Körper und der, in den der springt wechseln die Plätze, für die Umstehenden sieht Sam so aus wie Derjenige, in den er gesprungen ist. Und so springt Doktor Sam Beckett von Folge zu Folge in die Körper von Personen um deren Schicksal geradezurücken. Und irgendwann auch mal nach Hause? Gute Frage...
Bis auf die Grundprämisse und den immer mal wieder auftauchenden Al mit "Handlink" konzentriert sich die Serie nicht auf die Technik oder auf Technobabble, der kommt natürlich auch ab und an vor und einmal ganz kurz sehen wir sogar Ziggy, sondern auf das was Sam Beckett während seiner Reise erlebt. Während Star Trek den Optimismus in die ferne Zukunft verlegt bringt die Serie diesen Optimismus in die Vergangenheit. So oft auch das berüchtigte "Oh Boy!" im Original aus Sams Kehle ertönt, so oft wird doch deutlich dass Sam trotz seiner gelegentlichen Zweifel und dem Wunsch, der nächste Sprung möge ihn nach Hause führen, nie aufgibt sondern stets versucht das Beste aus der Situation zu machen. Ja, Sam mag schon ein wenig ein "All-American-Hero" sein, aber ebenso wie John Crichton ist Sam in erster Linie nicht der strahlende Held, der zwar stets den Tag rettet und sogar retten muss sonst bleibt er in der Vergangenheit stecken, vermutlich, sondern ein Charakter mit Vorzügen und Schwächen, der öfters auch schon mal das Falsche tut.
Die Serie scheut sich nicht davor, wie auch Star Trek, Themen wie Rassismus, Kalter Krieg - die Episode während der Kubakrise gehört zu den eindringlichsten Episoden überhaupt - Vietnam - das Bellisario wohl so ziemlich in allen seinen Serien verarbeitet hat, vor allem taucht es öfters in "Magnum" auf - aufzugreifen und eindeutige Kritik zu üben. Das Fundament der Serie ist dabei die Toleranz, die Botschaft - "Ein Mann kann die ganze Welt verändern, wenn er nur will" - mag zwar typisch amerikanisch sein, ja, geradezu nostalgisch veraltet wenn man mag, aber diese Botschaft ist doch letztendlich genau das, was auch Star Trek prägt.
Dass die Serie mit einer sehr rätselhaften Folge abschließt - "Mirror Image" - die einiges offenlässt hängt damit zusammen, dass NBC ursprünglich einen Cliffhanger haben wollte, sich dann aber doch entschied aufgrund der schlechten Quoten die Serie 1993 einzustellen und die Folge dann überarbeiten ließ. Selbst wenn man diese Folge mehrere Male hintereinander anschaut wird nicht ganz klar, wer oder was Sam springen lässt - Barkeeper Al? Hmm... - angedeutet wird jedenfalls, Sam selbst wäre es der seine Sprünge steuert. In der letzten Folge springt er zurück in die Vergangenheit um Als erster Frau zu sagen, dass Al lebt, in Vietnam gefangen ist aber dass sie auf ihn warten soll. Ob damit dann das Leben von Sam und das Leben der Beiden sich so änderte dass das Projekt gar nicht zustande kam - darüber spekulieren die Fans noch heute.
Immerhin: Die Serie zog noch etliche Romane nach sich und ist auch heute noch aufgrund ihres Humors, der warmherzig ist und nie verletzend, sowie wegen des exzellenten Spiels der beiden Schauspieler Dean Stockwell als "Al Calavicci" und - natürlich - Scott Bakula als "Sam Beckett", der später immerhin für vier Staffeln die Enterprise steuern durfte, bei den Fans sehr beliebt. Mittlerweile gibts die erste Staffel seit Juni in Deutschland zu kaufen, hoffen wir mal dass wir hier sämtliche Staffeln zu Gesicht bekommen und nicht wie bei "Ausgerechnet Alaska" oder "Twin Peaks" auf die zweiten Staffeln warten müssen...
Geschrieben von: Christian Spliess
07.10.2006, 01:58 Uhr | Kategorie: Allgemein
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Funksprüche zu diesem Eintrag

  1. Eine meiner absoluten Lieblingsserien. Ich hatte mir die deutsche DVD auch noch bestellt, obwohl Season 1-3 bereits als Original hier stehen. Wollen wir hoffen, dass die zweite auch noch rauskommt. Die Sender versprechen ja gerade viel und halten nichts. Fernsehen in Deutschland wird immer schlimmer. ANISSA am 09.10.2006 um 13:24 | #

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Autor: Christian Spließ | Herausgeber: medienrauschen Netzwerk | Alle Rechte vorbehalten.

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