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Red Dwarf: Back to Earth

Lange hats gedauert, aber im April 2009 war es endlich soweit: "Red Dwarf", eine der ultimativen - das Superlativ ist hier durchaus angebracht - SF-Serien der Welt kehrte für drei Folgen zurück ins TV. Endlich würde man also erfahren wie Rimmer von Bord des brennenden Mining-Ships davongekommen ist und was der Rest der Crew in diesem Parallel-Universum gemacht hat... Würde man. Oder?
Die Antwort auf diese Frage ist: Nein. Nein, der Cliffhanger von Staffel VIII wird nicht aufgelöst. Stattdessen spielt die Miniserie laut eigener Angabe - zumindest wenn man unserem Universum trauen darf - jenseits von Staffel X. (Dass es weder Staffel IX noch X offiziell gibt muss ich wohl kaum erwähnen, oder?) Vermutlich hatte Doug Naylor nach all den Jahren weder Zeit noch Lust noch Ideen um den Cliffhanger von Staffel VIII richtig aufzulösen. Man könnte ihm böse sein. Aber es sei ihm verziehen - denn: Nach knapp fünf Minuten und spätestens nach dem ersten Cliffhanger der Mini-Serie fühlt sich die Miniserie nach "Red Dwarf" an. Natürlich muss man einschränken: Es ist nicht das "Red Dwarf" der Serien I - V, nein, das nicht. Eher ist es eine konsequente Fortsetzung des Seriengeistes der VIII. Staffel. (Deren ziemlich haarsträubender Ansatz ja auch einen erstmal den Kopf schütteln ließ.) Dabei scheint Doug Naylor auch erst nach den ersten knapp 20 Minuten des Skriptschreibens allmählich wieder die Lust an dem von ihm miterschaffenem Universum gepackt zu haben, die Serie steigert sich von Folge zu Folge und nach dem Ende ist man dann doch versöhnter als zuvor.

Da die Mini-Serie - in diesem Fall wirklich Mini übrigens - ja nahtlos an eine imaginäre Staffel X ansetzt gibts natürlich keinerlei Erklärung darüber wie Rimmer entkommen konnte oder was der Rest der Crew bisher so getrieben hat. So findet man sich unversehens an Bord einer moderneren größeren "Red Dwarf" wieder - mit runderneuten Scuttern übrigens, hach. Da in letzter Zeit die Wasserversorgung litt und Cat von einem riesigem Tentakel aus dem Wassertank gepackt wurde scheint das eine Problem mit dem anderem zusammenzuhängen: Ein riesiger Tintenfisch hält Winterschlaf an Bord der "Red Dwarf" - ein Tintenfisch mit der Gabe durch die verschiedenen Dimensionen zu reisen. Wenn man diese Minuten - und das Auftauchen eines zweiten Holograms, das Rimmer mal tüchtig den Marsch bläst - verdaut hat entwickelt sich die Geschichte nach dem Cliffhanger des ersten Teils in eine Art "Purple Rose of Cairo"-Variante. Unversehens aus dem Serienkosmos entstiegen stellt die Red-Dwarf-Crew fest, dass sie nur erfundene Charaktere sind. Und deren Leben endet nach der letzten Folge der Serie. Deswegen begeben sie sich auf der Suche nach ihrem Schöpfer in der Gegenwart des 21. Jahrhunderts - sprich, der Erde von heute. Mehr oder weniger. Als Hardcore-Fan hätte man übrigens das Ende schon etwas erahnen können - "Back to Earth" klingt nämlich fast genauso wie ein gewisses Staffelfinale. Nur dass hier kein Computergame eine Rolle spielt sondern der Tintenfisch aus dem Wassertank. Mehr aber möchte ich nicht andeuten, der Schlüsse sind genug gewechselt. :-)

Sicherlich hat auch der erste Teil seine Momente: Dass Rimmer mal gehörig den Marsch geblasen bekommt ist ein Grinsen wert. Ebenso nett die Idee, Kryten auf Urlaub zu schicken oder die Zwischeneinlage mit der Easy-Listening-Musik. Jedoch: Der Rest der Handlung erscheint seltsam uninspiriert - das weibliche plötzlich auftauchende Hologram hätte man sich auch sparen können, denn es spielt nach dem zweiten Teil ja eh keine Rolle mehr. Sehen wir davon ab, dass Rimmer zwar immer unethisch war, aber was er da tut - das paßt einfach nicht so ganz zu ihm. Da scheint Naylor die Inspiration ausgegangen zu sein: Das Hologram hat seinen Zweck erfüllt, das Hologram kann gehen.
Dann allerdings steigert sich die Miniserie von Teil zu Teil: Das Auto das Fanclubpräsidenten - die Szene mit dem Immer-Weiter-Zoomen-und-Spiegeln um eine Adresse rauszufinden - die Anspielung auf "Blade Runner" und vor allem die wunderschönen Rückbezüge auf die anderen aktuellen Staffeln. Zwar erreicht die Mini-Serie durchaus nicht das Niveau der Serienanfangszeit und Fans werden genau das bedauern. Andererseits: Es ist "Red Dwarf" - die Charaktere handeln wie sie immer gehandelt haben, die Dialoge sprühen zwar nicht vor Esprit, sind aber witzig genug um über sie zu lächeln.

Alles in allem: "Back to Earth" ist eine akzeptable Fortsetzung der Serie. Die Handlung ist durchaus amüsant, die Gags zünden immerhin ab und an und wenn die jetzt erschienene DVD sich gut verkauft wäre eine Rückkehr auf den Bildschirm durchaus möglich. Ich hätte durchaus nichts dagegen.
Geschrieben von: Christian Spliess
19.06.2009, 17:32 Uhr | Kategorie: Allgemein
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