Susanne Picard vom SF-Radio-Team, die momentan wenig Radiosendungen machen wie mir scheint, outet sich als
Heftroman-Leserin und fragt, warum man immer noch auf diese Art der Publikation abfällig herabschaut.
Wobei: Natürlich bespricht man die Dinger im Deutschunterricht. Man bekommt einen Feld-,Wald- und Wiesenliebesroman an die Hand gelegt, dann werden diverse Schema erklärt - Liebepaar muss Gefahren zum Happy-End überwinden usw. usf. - und dann wars das. Auf zyklisch angelegte Serien oder solche, die einen roten Faden haben a la Zamorra und Perry geht man gar nicht ein. Da stecken noch ein wenig die 50ger im Kopf mit ihrer "Schmutz- und Schundliteratur".
Seltsamerweise entgeht den Deutschlehrern meistens, dass Schemata wie sie in diesen abgeschlossenen Heftromanen funktionieren so alt wie die Literatur selbst sind - ich meine, abgesehen mal vom Blankvers, letzten Endes kann man auch den Sommernachtstraum mit "Liebespaar muss Gefahren zum Happy-End" überwinden beschreiben. Ja, es ist natürlich noch ein wenig komplizierter, aber letzten Endes ist es doch so: Die Schemata sind gleich, allein die Sprache und der Stil sind anders.
Schon komisch - da wird gefordert, dass die Jugend mehr lesen solle aber sobald Comics oder Heftromane ins Spiel kommen sind die auf einmal minderwertige Erzeugnisse einer Unterhaltungsindustrie, die ja nur niedere Instinkte bedient. Unterschichtenliteratur sozusagen. Sobald die Inhalte aber in einem gutaussehenden Paperback transportiert werden, dann ist das natürlich eine vollkommen andere Geschichte - wenn ich da an Marie-Luise Fischer, Rosamunde Pilcher und Konsorten denke. Oder Konsalik. Da ist das allgemeine Ansehen auf einmal da obwohl der Inhalt gleich ist. Wir sind schon komisch, wir Deutschen.