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Das Science Fiction-Blog

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Plädoyer für Heftromane

Susanne Picard vom SF-Radio-Team, die momentan wenig Radiosendungen machen wie mir scheint, outet sich als Heftroman-Leserin und fragt, warum man immer noch auf diese Art der Publikation abfällig herabschaut.
Wobei: Natürlich bespricht man die Dinger im Deutschunterricht. Man bekommt einen Feld-,Wald- und Wiesenliebesroman an die Hand gelegt, dann werden diverse Schema erklärt - Liebepaar muss Gefahren zum Happy-End überwinden usw. usf. - und dann wars das. Auf zyklisch angelegte Serien oder solche, die einen roten Faden haben a la Zamorra und Perry geht man gar nicht ein. Da stecken noch ein wenig die 50ger im Kopf mit ihrer "Schmutz- und Schundliteratur".
Seltsamerweise entgeht den Deutschlehrern meistens, dass Schemata wie sie in diesen abgeschlossenen Heftromanen funktionieren so alt wie die Literatur selbst sind - ich meine, abgesehen mal vom Blankvers, letzten Endes kann man auch den Sommernachtstraum mit "Liebespaar muss Gefahren zum Happy-End" überwinden beschreiben. Ja, es ist natürlich noch ein wenig komplizierter, aber letzten Endes ist es doch so: Die Schemata sind gleich, allein die Sprache und der Stil sind anders.
Schon komisch - da wird gefordert, dass die Jugend mehr lesen solle aber sobald Comics oder Heftromane ins Spiel kommen sind die auf einmal minderwertige Erzeugnisse einer Unterhaltungsindustrie, die ja nur niedere Instinkte bedient. Unterschichtenliteratur sozusagen. Sobald die Inhalte aber in einem gutaussehenden Paperback transportiert werden, dann ist das natürlich eine vollkommen andere Geschichte - wenn ich da an Marie-Luise Fischer, Rosamunde Pilcher und Konsorten denke. Oder Konsalik. Da ist das allgemeine Ansehen auf einmal da obwohl der Inhalt gleich ist. Wir sind schon komisch, wir Deutschen.
Geschrieben von: Christian Spliess
30.05.2006, 03:11 Uhr | Kategorie: Allgemein Bücher
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Funksprüche zu diesem Eintrag

  1. Konsalik, Fischer, Simmel und Kollegen sind zumindest zu meiner Schul- und Berufschulzeit aber auch nicht besser weggekommen!

    Da fällt mir was ein.

    Ich weiß noch, wie ich mal mit meinem Berufschullehrer diskutiert habe, ob nun Grass oder Simmel die präziseren Beschreibungen bauen kann :-) Wir wurden uns nicht einig. Er brach die Diskussion irgendwann ab.
    Frank Böhmert am 31.05.2006 um 08:20 | #
  2. Bei den Deutschlehrern vielleicht nicht, in der öffentlichen Wahnehmung aber schon - die im Artikel zitierte Oma wird sicherlich nicht so reagiert haben wenn man mit einem dicken fetten Perry-Taschenbuch dagesessen hätte. Christian Spliess (Info) am 31.05.2006 um 21:05 | #
  3. Da wundert es mich, warum die Heftromane auf mich so eine Faszination ausübten. 50 % kamen von den Titelbildern. Und Paperbacks können wirklich "lange, traurige" Geschichten sein. Th. Pensator am 01.06.2006 um 08:52 | #
  4. Es kommt nicht auf das Format der Lektüre an sondern auf deren Inhalt.
    Da gibt es Szitzenromane im Heftformat als auch im Buchformat. Und Schlechtes ebenso. Wobei es immer noch Geschmackssache ist was der Einzele lesen will.
    Von sogenannten Kritikern lasse ich mir meine Lektüre nicht vorschreiben.

    valgard/lothar
    valgard/lothar am 03.06.2006 um 12:03 | #

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