Perry Rhodan und ich
Okay. Ich habe es versucht. Mit Band 2300 habe ich versucht in die Serie, die mich viele Jahre lang erfreute und mich als SF-Leser begeisterte wieder einzusteigen, nachdem ich mit dem Reich Tradom und diesem Sternenozean-Zyklus nicht richtig warm wurde. Und jetzt passiert mir das wieder. Habe ich einfach zu viel Perry gelesen als dass ich die Serie unbeschwert genießen könnte?
Momentan scheint ein toter Punkt erreicht und nicht nur ich, auch viele ältere Fans springen derzeit von der Serie ab. Jedenfalls kommt in meinem Bekanntenkreis auf die Frage: "Sag mal, liest du Perry noch?" meisten die Antwort: "Nein, nicht mehr" oder "Ich glaube, ich steige demnächst aus". Nun bin ich nicht dazu berufen, mich als großer Kritiker aufzuspielen - das machen bereits andere besser als ich - aber ein oder zwei Dinge möchte ich dennoch anmerken.
Zuerst einmal: So spannend auch die momentan geschilderte Negasphären-Situation in der Milchstrasse sein mag, die ersten Bände des neuen Zyklus bringen die Handlung so zähflüssig wie Sirup voran. Es ist natürlich ungerecht, einen jungen Zyklus nach knapp sechs Heften zu beurteilen - allerdings gebe ich neuen Fernsehserien in der Regel auch nur vier, fünf Folgen um mich faszinieren oder fesseln zu lassen. Wenn der Zyklus besser wird: Habe ich halt Pech gehabt, kann ich dann aber bei Gelegenheit nachholen. Beim Sternenozean habe ich momentan das Bedürfnis jedenfalls nicht. Da gibt es wieder Hefte, in denen sich der Bezug zur wirklichen Handlung mit der Lupe nicht finden lässt - oh ja, ein, zwei Nebensätze oder eine Nebenhandlung sind da wichtig, aber die Häufung der Lückenfüller-Romane ist mir zu viel momentan.
Ich habe zudem das Gefühl, dass das Thema "Kosmokraten" gar nicht erst hätte angerührt werden dürfen. Ich kann die Handlungsgründe von diesen höheren Wesen nicht nachvollziehen - was natürlich positiv ist, schließlich sind diese hochstehenden Wesen fern von der Entwicklungsstufe der Menschheit - aber man hätte sie vielleicht besser hinter den Materiequellen gelassen. Da fand eindeutig ein Umschreiben statt, dass bei mir zum Ausstieg geführt hat: Kosmokraten sind auf einmal Wesen, die das Leben an sich begrenzen wollen. Das rückt sie eher in den Ruch der Chaotarchen. Früher waren sie es, die das Leben im Kosmos erst ermöglichten - siehe den "Schwarm-Zyklus". War diese Umgewichtung notwendig? Wäre es nicht besser gewesen sie wären das geblieben, was sie waren: Rätselhafte, unverständliche Wesen fern von allen menschlichen Regungen? Da hat Thoregon mich eindeutig vergrault, abgesehen mal von der Länge dieses Zyklus. 200 Hefte sind einfach zu lang. Beziehungsweise: Diese müssen erstmal mit einer vernünftigen, spannenden, übergreifenden Handlung gefüllt werden - gut, nicht jeder Roman kann das, aber mit Schaudern denke ich an den "Uboot"-Roman auf Ertrus zurück - der tat richtig, richtig weh...
Wenn nicht genug Stoff oder Handlung für 100 Zyklen vorhanden ist, warum begrenzt man sich dann nicht mal wieder auf 50 Hefte? Früher Zyklen waren ja auch nicht unbedingt immer wirklich 100 Hefte lang, sondern variierten. Allerdings: Wenn ich bei Atlan sehe, wie man da die Handlung streckt... Da hat das Maddrax-Spinoff "Mission Mars" wenigstens eins richtig gemacht: Da hatte man drei Hefte, die einen Handlungsabschnitt beschrieben, es gab zwar ein großes Ganzes aber da hat man eher die Motivation durchzuhalten - denn wenn einen der aktuelle Handlungsstrang nicht interessiert, nun, sind ja nur drei Hefte, wartet man halt auf den nächsten. (Ob das Prinzip in der Hauptserie funktioniert, nun, da bin ich skeptisch, aber das ist eine andere Geschichte.)
Dann: Wie bitte? Die aus dem Hyperkokon gefallenen Galaxien sind auf einmal leer? Wieso das denn um einen Herrn Hoecker zu zitieren. Viel spannendes Material hat man da zur Verfügung: Welten, die teilweise noch nicht erforscht sind, Wunder, die noch nicht gesehen worden sind - ein wenig hat der Roman mit den Cynos auf diesem Fischerplaneten das ja aufgegriffen - und was macht man? Lässt die wichtigsten Völker einfach mit einer großen Karawane aus dem Perryversum ziehen. Da hat man die Gelegenheit mal wieder ein wenig "Sense of Wonder" in die Serie zu bringen, vielleicht mal wieder einen Schuss Space-Opera mit waghalsigen Aktionien, kann sich mit den Geschehnissen aus dem vorherigen Zyklus beschäftigen, bestimmte Völker in den Schwerpunkt rücken - sich vielleicht auch mal mit den Konsequenzen der Handlung auseinandersetzen. Das wäre mal spannend. Ich denke, das würde auch eine Menge Leser wieder zur Serie bringen. Was macht Battlestar Galactica momentan denn so erfolgreich? Oder Firefly? Farscape? Sind es da denn die netten Effekte - Raumschlachten en masse? Vielleicht. Aber das Remake setzt auf starke Charaktere und ihre Beziehungen zueinander - ebenso wie Firefly und Farscape das getan haben. Okay, die letzten beiden Serien wurden abgesetzt, aber ich würde gerne einen Perry sehen, der sich verändert. Ich hab das mit Gucky damals nicht gutgeheißen weils einfach zu platt war, aber es war ein Schritt in die richtige Richtung - ebenso wie Michael Rhodan zu Torric geworden ist im "Shabazza"-Abschnitt damals. Perry ist mehrere Jahrhunderte alt, das kann an einem nicht spurlos vorübergehen. Aber schön, jeder verarbeitet ja die Erfahrungen anders.
Wie gesagt: Der Zyklus ist noch jung. Vielleicht ändert sich da ja noch was. Vielleicht kommen die starken Charaktere, die packenden Geschichten ja noch - dann hatte ich halt Pech und muss den Zyklus nachholen. Aber das, was ich beim "Linguiden"-Zyklus hatte, dieses "Okay, dieses eine Heft noch, dann ist aber Schluss"-Gefühl stellt sich momentan bei mir nicht ein. Schauen wir mal. 2350 kann ja vielleicht daran was ändern, wer weiß...