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Perry Rhodan drückt den Redcon-Knopf

Aus der Perry Rhodan Redaktion kam die Tage eine Meldung, die es wert ist genauer betrachtet zu werden...

Ab September: "Perry Rhodan Neo"

Am 30. September startet die neue, monatlich erscheinende Taschenheft-Serie
"Perry Rhodan Neo". Sie wird parallel auch als eBook und Hörbuch an den
Start gehen. Der Untertitel "Die Zukunft beginnt von vorn" erklärt, worum es
geht: man startet die "Perry Rhodan"-Serie neu, nimmt die grundlegende
Handlung der Serie und und katapultiert sie in ein neues Gewand, eine neue
Zukunft. Die Handlung beginnt im Jahr 2036 - und ein gewisser amerikanischer
Raumfahrer namens Perry Rhodan fliegt mit seiner Mannschaft zum Mond...
Verfasst wurde der erste Roman von Frank Borsch, der auch für die Exposés
verantwortlich ist. Die Titelbilder stammen von Dirk Schulz.


Redcon! Redcon! Redcon! schreit es in mir, ein Begriff, der im Comicuniversum geboren wurde, wo ständig Charaktere einen Neustart, einen Neubeginn erfahren. ("Supermann ist tot" - "Nein, doch nicht." - "Wir machen mal jetzt einen neuen Robin." - "Also laut dem Nolan war Batman als Junge ja in dieser Höhle, aber laut dem Tim Burton Film war der da gar nicht?") Im Grunde also: Immer, wenn es einen Neustart gibt, eine neue Definition, wenn die Hintergründe neu gelegt werden spricht man vom RedCon-Button. So wenn im Finale der dritten Who-Staffel halt... Ups. Stimmt. Die lief hier ja nicht, also schelchtes Beispiel. Vielleicht ist der Redcon mit einem Remake vergleichbar. Annähernd. Jedenfalls versteht man wohl was ich meine.

Warum zum Teufel macht man einen Redcon? Da gibts wohl drei Aspekte: Erstens - ein neuer Produzent, Zeichner ist angetreten und will dem Franchise einen neuen Start verschaffen. (Insofern ist auch der neue Star-Trek-Film ein Redcon, wenn auch wegen des Paralleluniversums... Aber ihr versteht schon was ich meine.) Zweitens - was oft mit Erstens zusammenhängt - man weiß nichts mehr mit dem Helden anzufangen, hat neue Ideen und will die verwirklichen. Drittens - das Franchise liegt so am Boden, dass man einen Neustart braucht um wieder in die Gewinnzone zu kommen, neue Zielgruppen erschließen. Das wären aus meiner Sicht die Hauptgründe, wobei es sicherlich noch andere gibt.

Fragt sich: Warum macht die PR-Redaktion sowas?
Neue Autoren hat das Team eigentlich ständig. Die werden ja in die normale Serie immer mit eingebunden. Das kanns also nicht sein oder es sei denn, im PR-Team gibt es total kreative Leute, die völlig unausgelastet sind. Möglich wärs.
Der zweite Aspekt ist schon etwas wahrscheinlicher: Da die Rolle von Perry Rhodan in der Serienbibel ja sehr feststeht - "Sofortumschalter" als Stichwort - kann man in der normalen Serie vielleicht graduelle Entwicklungen vorantreiben - die Beziehung mit Mondra Diamond, die verpasste Gelegenheit schlechthin endlich etwas mehr Profil zu geben wenn ihr mich fragt wäre dafür sicherlich ein Beispiel. Allerdings haben Autoren ja auch noch die Möglichkeit, sich in Nebenfiguren auszutoben. Aber ich denke, dieser Aspekt spielt mit rein.
Und offenbar - und ich glaube, hier liegt der Hase im Pfeffer: Man hat Probleme damit, Neuleser zu gewinnen. Wie das Markus Heitz so schön im aktuellen Fandom-Observer beschreibt: Erstens schreckt die hohe Heftnummer ab - "um Gottes Willen, ich muss jetzt 2599 Hefte nachlesen, damit ich auf dem neusten Stand bin?" - andererseits braucht man einfach ein gewisses Grundwissen - und selbst wenn man die Einsteigshilfen des Verlags nimmt, sind technische Begriffe einfach erstmal ein Hindernis. Entweder nimmt man die hin oder man steigt halt sofort aus, ohne in der Perrypedia nachzuschlagen. Sprich: Neuleser haben es schwer.

Da ist es natürlich ein geschickter Schachzug, die Geschichte von Perry Rhodan nochmal in neuer Form zu erzählen: Neue Kundengewinnung, super. Umsatzsteigerung - super. Aber die Neuleser von Perry Rhodan Neo werden kaum in die alte Serie reinschauen, das glaube ich nicht. Wer sich auf eine Serie eingeschossen hat, wird zwar versuchen alle Aspekte mitzubekommen, aber hier kanns dem Verlag tatsächlich nur um Neukunden gehen. Dafür ist das Konzept, das muss ich eingestehen, wirklich sinnvoll gedacht.
Allerdings: Mit Miniserien hat man - bis auf Atlan, aber die lief ja auch nicht unbedingt super bzw. Perry Rhodan Action - beim Verlag eigentlich immer negative Erfahrungen gemacht. Zwar steht jetzt nichts in der Pressemeldung davon, dass die Serie als Mini-Serie angelegt ist - "fortlaufend" - aber im Prinzip denke ich mal, dass man hier nicht weit kommen wird. Klar, man kann die Stammleser natürlich neugierig machen und ein Großteil wird das Teil auch regelmäßig jeden Monat kaufen. Aber das Taschenheft-Format ist bei den Fans nie richtig angekommen - ob die Erfahrungen beim Nachdruck der Planetenromane, ob die noch laufen weiß ich nicht, jetzt so gute Impulse gesetzt hat, dass man unbedingt neu auf das Format setzt? Gute Frage.

Vom Marketinggesichtspunkt her gesehen ist das durchaus ein interessantes Experiment. Perry-Fans werden sicherlich auch eine Abweichung des Universums akzeptieren. Ob aber das Format und der Erscheinungszeitraum reicht, um neue Fans zu finden? Ich bin skeptisch, werde mir aber die ersten Exemplare der Serie sicherlich anschauen. Für notwendig allerdings, nein, dafür erachte ich das nicht und es zeigt IMHO nur, dass der Verlag sich allmählich wohl mehr und mehr Sorgen um seine Produkte machen muss. Aber das sind natürlich nur Mutmaßungen...
Geschrieben von: Christian Spliess
04.08.2011, 22:01 Uhr | Kategorie: Serien
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Funksprüche zu diesem Eintrag

  1. Sorry, ich hasse selbst Leute, die alles verbessern, aber heißt es nicht "retcon"? Mark am 15.08.2011 um 09:14 | #

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Autor: Christian Spließ | Herausgeber: medienrauschen Netzwerk | Alle Rechte vorbehalten.

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