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SF-Buchforum ist mal wieder von einer Krise der SF die Rede. Na ja, alter Hut werdet ihr sagen. Stimmt. Ist es auch. Das Thema kommt seit Jahren immer mal wieder auf den Tisch. Allerdings: Die Diskussion wird von denen durchgehechelt, die verkennen, dass es durchaus SF-Leser gibt. Denn die SF an sich ist quicklebendig. Wirklich. Man muss halt nur von diesem sturen Beharren auf dem traditionellen Bereich abgehen. Dass heutzutage sich Einzelromane, die nicht zu Serien gehören nicht mehr so verkaufen wie sie sollten - sehen wir mal von Autoren wie Eschbach oder Schätzing ab - ist zwar schade, aber noch nicht das Ende der SF-Lesekultur. Sie hat sich verlagert. Heutzutage greift der Leser halt eher zu sowas wie den Starcraft-Novelisationen oder zu Star-Wars-Comics. (Wenn er denn neben all den anderen Angeboten die ihm zur Verfügung stehen Zeit dafür findet - eine Entscheidung für ein Buch ist heute sowieso eine bewußtere denn je.)
Natürlich sind diese Novelisationen nicht das, was man bei einer gewissen SF-Leserschicht als "besonders wertvoll" einstuft. Ich schreibe ja auch nicht, dass ein Roman aus der Feder von Keith R. DeCandido - um mal einen der umtriebigsten Autoren zu nehmen in dem Bereich - an die Genialität eines Orwell, eines Vernes oder eines Banks heranreicht. Natürlich nicht. Aber: Seine Romane zu "Farscape" - ja, das musste kommen ;-) - oder jüngst "Starcraft" werden gelesen.
Diese Romane haben es natürlich leichter: Sie stehen schon in einer gewissen Tradition. Der Leser kennt das Universum von Fernsehen oder vom Computerspiel her, weiß also was ihn erwartet. Ja, auch mir geht es natürlich auf den Geist wenn ich in einer SF-Abteilung einer größeren Buchhandelskette nun überwiegend Star-Wars-Romane oder Romane zu Computerspielen finde - klar, ich hab auch lieber einen guten Einzelroman eines zeitgenössischen Autoren, aber von einer Krise der SF-Leseliteratur hierzulande zu sprechen ist gelinde gesagt mal wieder eine Diskussion um des Kaisers Bart. Es wird gelesen. Es wird halt nur etwas anderes gelesen als der klassische Kanon der SF-Literatur mit dem einige aufgewachsen sind.
Außerdem: Der SF geht es doch gut, wenn man mal auf den Bildschirm blickt. "Primeval" hat hierzulande gute Quoten - habe ich es nicht vorausgeschrieben? Hah! - in den UK geht der Doctor in die vierte Staffel, eine letzte Staffel hat "Battlestar Galactica" noch zugewilligt bekommen und demnächst kommt im Kino ein SF-Action mit Robotern auf die Leinwand, die sich zu Autos verwandeln können... Zugegeben, das wird Popcorn-Kino werden, aber "Children of Men" zum Beispiel beruht ja auf "Das Land der Leeren Häuser". Und wenn das nicht einigermaßen aktuell ist...
Nein, die Lesekultur der SF ist in keiner Krise. Die Fankultur ist es, wenn sie nicht ihren Blickwinkel erweitert und versteht, dass heutzutage die Teenies eben lieber eine Novelisation einer "The Tribe"-Folge durchlesen als die kritischen Anmerkungen eines H. G. Welles. Aber sicherlich wird alles besser wenn demnächst das Perry-Rhodan-Computerspiel und die Perry-Rhodan-Hörbücher auf den Markt kommen, das wird sicherlich die Papierausgabe beflügeln...