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Joss Whedons Dollhouse

Irgendwo in Los Angeles gibt es eine geheime Organisation, die eine Technologie entwickelt hat mit der es möglich ist das komplette Leben auf eine einzige Harddisk zu speichern. Umgekehrt kann man aus diesen Disks einerseits wiederum die Ursprungspersönlichkeit wiederherstellen - andererseits kann man auch mit ein wenig Geschick Personen ein wenig verändern. Ganz so wie die reichen Klienten der Organisation es brauchen. Verzweifelten Menschen bietet die Organisation namens "Dollhouse" einen Vertrag an: Für fünf Jahre werden sie als Gefäße für diese aufgezeichneten Persönlichkeiten benutzt, danach können sie dann gehen. Während die meisten Menschen das "Dollhouse" für eine urbane Legende halten, ist Paul Ballard vom FBI darauf angesetzt, Beweise für die Existenz zu finden. Das eigentlich Problem: Allmählich erinnert sich die junge Frau mit dem Codenamen Echo immer wieder an ihre vorherigen Einsätze - und offenbar entwickelt sie so etwas wie eine eigene Identität... Willkommen bei der neuen Serie von Joss Whedon, in der nichts so ist wie es scheint.
Es ist kein Geheimnis, dass Joss Whedon gerne groß angelegte Geschichten erzählt. Es sind Geschichten, die auf den ersten Blick fantastisch anmuten, die aber dennoch im Kern immer auf die Realität zurückzufühen sind. Besonders gern scheint Joss Whedon dabei Identitäten am Herzen zu liegen - Buffy Summers changiert zwischen dem jungen, naiv anmutenden Mädchen und der knallharten Slayerin. Der Vampir Angel zwischen sanft, mitfühlend und grausam, tyrannisch. Dass Whedon zudem sich auch gerne der geheimenen Organisation bedient ist auch auffällig in seinen Serien: Da gibts bei Buffy die Initiative, Wolfram und Hart bei Angel, die "Blue-Hands" bei Firefly und jetzt das weltumspannende Unternehmen namens "Dollhouse".

Es ist eine sehr komplexe Welt, in der man als Zuschauer eingeführt wird. Wie immer bei Joss Whedon scheint die Grundprämisse recht einfach, ich habe sie oben ja schon erwähnt. Doch wird sie allmählich komplexer - genau wie die Vorgängerserien auch. In "Dollhouse" ist nichts wie es scheint. Dass wird anhand von Eliza "Echo" Dushkus Darstellung recht deutlich: In jeder Folge bekommen die "Aktiven" ein "Treatment". Und ganz wie ein Schauspieler seine Rolle spielt werden die Akteure zu anderen Persönlichkeiten. Während der normale Schauspieler aber weiß, dass er eine Rolle spielt ist das den Akteuren des "Dollhouse" nicht bewußt. Wenn sie keinen Einsatz haben leben sie in einer Art naivem Kindergarten dahin - mit Kunststunde, Massagen, Gemeinschaftsdusche vor dem Zubettgehen. In der vorletzten Folge wird der Vergleich mit dem Garten Eden sogar bewußt gezogen - wobei die Figur von Alan Tudyck, den man noch aus "Firefly" kennen sollte, schon so seine Einwände hat...

Wie in jeder Verschwörungsserie gibt es natürlich auch hier den aufrechten Prinzen - pardon - den aufrechten FBI-Agenten namens Paul Ballard, gespielt von Tahmo Penikett. (Battlestar Galactica anyone?) Dass seine Ermittlungen schlussendlich nichts bringen werden, dass kann man als Zuschauer schon rasch ahnen. Wobei es nicht überraschen dürfte wenn "Dollhouse" nicht nur eine Ebene hat. Die Serie hat im Laufe der Folgen einige böse Überraschungen zu bieten - wobei ich nicht verschweigen möchte, dass diese eher im letzten Teil der ersten Staffel angesiedelt sind. Denn nach der ersten Folge, die natürlich von Joss Whedon geschrieben wurde, scheint die Serie nicht so ganz ihren Kurs zu finden. Will man nun die Geschichte der jungen Echo erzählen? Orientiert man sich dann doch eher an den X-Akten? Oder ist es doch nur wieder der Fall der Woche mit allenfalls ein wenig rotem Faden im Hintergrund?

Glücklicherweise kann die Serie sich dann fangen und wird besser - die Fälle der Woche, in denen Echo die Persönlichkeit wechselt werden besser in den roten Faden eingearbeitet und die Geschichte um Paul kommt im Finale sogar zu einer Art Abschluss. Wenngleich die Romanze um ihn nicht so recht zündet - zumindest nicht bis zur schockierenden Enthüllung und vor allem danach. Irgendwie drängen sich da einem doch Parallelen zur Beziehung Buffy/Spike in der sechsten Staffel auf - aber das kann auch nur ich sein. Immerhin: Joss Whedon verzichtet diesmal darauf die Geliebte umzubringen - na ja - also jedenfalls körperlich. Bekanntlich hat er ja irgendwie ein Faible dafür.

Sollte man sich "Dollhouse" also jetzt als SF-Fan anschauen? Denn das ist sie ja schließlich, die Technologie gibt es noch nicht in dieser Form - und hoffentlich wird es sie auch nie geben. Aus meiner Tastatur fließt ein eindeutiges "Ja". Wenngleich die ersten Folgen nicht so ganz austangiert wirken wird die Serie von Folge zu Folge besser. Nicht falsch verstehen: So richtig langweilig ist die Serie ja nie, denn die Fälle der Woche sind schon Unterhaltung genug. Doch erst im Laufe der Zeit gelingt es der Serie alle Aspekte unter einem Hut zu bringen. Und wer bis ans Ende ausharrt, der wird einen bravourösen Alan Tudyk zu sehen kriegen. Zudem: Es ist einfach atemberaubend wie elegant Eliza Dushku so einfach jede Woche in eine andere Persönlichkeit schlüpft und sie schafft es immer glaubwürdig zu bleiben. Also: Ja, man sollte sich "Dollhouse" anschauen. Auch wenn die Serie vielleicht nicht so ganz brilliant ist wie "Buffy", "Angel" oder "Firefly" - sie lohnt sich durchaus.
Geschrieben von: Christian Spliess
25.06.2009, 00:44 Uhr | Kategorie: Allgemein
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Funksprüche zu diesem Eintrag

  1. Ich liebe diese Art von Plott!
    TekWar,Matrix,Equilibrium ... aber Buffy und Co in die Runde zu ziehen find ich übertrieben :)
    Finde, es gibt keine Serie die dilettantischer ist als Buffy. Aber das ist eben meine Meinung :)
    Haunebu am 26.06.2009 um 23:54 | #
  2. Buffy und Co. gehören schon dazu weil Joss Whedon dazu neigt groß angelegte Geschichten mit etlichen Überraschungen zu erzählen. Und Überraschungen gibts gegen Ende der ersten Staffel bei "Dollhouse" so etliche. Christian Spließ am 27.06.2009 um 00:21 | #

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Autor: Christian Spließ | Herausgeber: medienrauschen Netzwerk | Alle Rechte vorbehalten.

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