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Getrasht: Ed Woods Plan 9 auf der Bühne

Schwierig, die letzten Worte am Grab eines Freundes zu finden... on Twitpic

Gerne würde ich diesen überaus schlechten, furchtbaren und trashigen Bericht damit beginnen, dass man als SF-Fan noch etliche Aufführungen dieses Machwerks in der RüBühne sehen kann - allerdings: Es könnte auch durchaus eine Gnade sein "Plan 9 aus Outer Space" nicht gesehen zu haben. Ein Stück, an dem nur Vogonen ihre Freude haben können, das schlechteste Theaterstück der Welt, das jemals zu sehen war.
Spaß beiseite: Mit "Plan 9 aus Outer Space" hat Wolfs Reviertheater seine sehr eng an Ed Woods Vorlage orientierte Fassung auf die Bühne gebracht, die mit kölsch sprechendem Komissar, einer - laut Ehemann - immer gestörten Ehefrau Paula und einem Fred aufwartete, der irgendwie gewisse Signale zwischen Komissar und Ehefrau nicht sehen möchte - oder einfach nur ein naiver Trottel ist. Wohl eher letzteres. :-)

Man hatte mich vorgewarnt - in der letzten Vorstellung, der Derniere, sei alles noch etwas anders als sonst. So ist normalerweise nur Regisseur Michael Hoch zu Beginn als Bela-Lugosi-Double zu sehen - in der letzten Vorstellung durfte dann Twitterer Maxx_h über die Bühne geistern. Auch etliche Dialoge waren etwas anders und vermutlich war auch die kaputte Taschenlampe nicht unbedingt vorgesehen - bei der Nebelmaschine bin ich mir sicher, dass die immer kaputt war. *g*

Die Handlung des Stücks orientierte sich sehr stark am Film, erlaubt sich aber doch einige Freiheiten. Während die Aliens im Film pathetisch-partriotisch versuchen die Solarbombe zu verhindern - also jedenfalls könnte das die Handlung des Films sein, man weiß es ja nicht so genau bei all den Zombies und so - sind die Aliens im Stück dabei die Menschen zu trashen, zu recyclen und sie zu hehreren Wesen zu machen. So sieht halt dieser Plan 9 aus und die Zombies - na ja - kann ja mal passieren. Überhaupt passiert auf der Bühne so einiges. Wobei natürlich die vierte Wand mal immer wieder gerne durchbrochen oder von den Schauspielern selbst konterkariert wird. Da rast der Regisseur heran wenn der Praktikant Mike Vojnar laut eine Regieanweisung spricht - "das stand in kursiv". Immer wieder agieren die Schauspieler außerhalb der Bühne - die Suche nach einer Taschenlampe etwa führt den Darsteller des blasenschwachen, kölsch-dialektsprechenden Komissars Jeff - Robin Ebneth - durch die Publikumsreihen.

Im Geist des Films werden nur wenige Requisiten benötigt. Da genügt ein Plastikrohr mit angeklebtem Ortsnamensschildern - es sind im Stück nur Friedhof und Terasse von Fred und Paula - Unterteller, an Fäden aufgehängte Radkappen, blaue Mülltüten... Der Charm des Films wird damit aufgenommen und wer den Film und die Geschichte von Ed Wood kennt wird natürlich wissen, dass dieser mit wenig Geld drehen musste. Etwas anders sind dagegen die Aliens: Der bierernste Pathos des Originals wird einzig und allein von Mr. X, Juri-X, repräsentiert. Also so halbwegs. Doch. Dem jüngsten Schauspieler des Abends übrigens. Sehr jung. Die Aliens selbst dagegen brechen ohne weiteren Anlass immer mal wieder in Tanz und Gesang aus. Oder suchen mehrere Minuten die besten Stellen um auf die Erdlinge zu warten. Intelligentes Leben im Weltall - man darf da so seine Zweifel haben, vielleicht ist da auch beim Trashen was schiefgegangen. Vermutlich. Vielleicht waren die Erdenmenschen auch schon vorher nicht so ganz...

Temporeich, witzig und frisch wirkt der ganze Abend. Ein Großteil der Dialoge sind dem Original nachempfunden - ein Teil der Dialoge könnte tatsächlich auch so im Film zu hören sein. Vor allem geht Wolfs Reviertheater sehr respektvoll und durchaus mit liebevollem Blickwinkel an das Ganze. Ja, natürlich ist die Vorlage Trash und der "schlechteste SF-Film aller Zeiten" - obwohl die letzten Jahre durchaus einige Produktionen im Kino liefen, die das Potential allemal unterbieten können. Diese ungewolle Komik aber bringen die Schauspieler augenzwinkernd und mit Charme auf die Bühne. Wie ein Theaterstück wohl unter der Regie von Ed Wood gewesen? Vermutlich ähnlich wie dieser Abend. Schade, dass es keine weiteren Vorstellungen geben wird. Vielleicht aber demnächst ja mal etwas Anderes. Es gibt ja noch so viele schöne Vorlagen für adäquate Bühnenumsetzungen... ;-)
Geschrieben von: Christian Spliess
27.06.2010, 22:26 Uhr | Kategorie: Allgemein
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Funksprüche zu diesem Eintrag

  1. ja, das war wundervoll trashig. Ein großer Spaß! Ich bin auch für eine Art Fortsetzung. Klaudia am 05.07.2010 um 16:02 | #

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Autor: Christian Spließ | Herausgeber: medienrauschen Netzwerk | Alle Rechte vorbehalten.

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