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Das Science Fiction-Blog

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Feuilleton versus Phantastik

Man tut sich schwer in Deutschland mit der Phantastik im Feuilleton. Abgesehen mal von Dietmar Dath in der FAZ, der seine Sache wirklich sehr gutmacht, sind die Berührungsängste immer noch stark. Und ich stimme mit Oliver vom Oliblog darin überein, dass der Artikel in der Welt eigentlich nur gequirlter Mist ist. Warum dies?
"Overkill der Phantasie" beschäftigt sich mit der Phantastik und auch mit der SF am Rande. Elemente der Phantastik werden zur Zeit jedenfalls von Autoren ernsthafter Literatur - und offenbar sind nur diese für den Artikelschreiber Georg M. Oswald, der ebenfalls Autor ist ausschlaggebend - aufgegriffen, verarbeitet und fließen in die "höherwertige" Literatur ein. Man denke nur an den neuen Roman von Michel Houellebecq "Die Möglichkeit einer Insel", der sich mit dem Thema des Klonings befasst. Und das, so Oswald, führt zu unbefriedigenden Ergebnissen. Das macht er eben an Houellebecq fest. Als Science Fiction taugt der Roman nichts, aber er hat Science Fiction nötig, um seine gar zu schlichte Botschaft ein wenig aufregender zu gestalten, als sie es ist. Für Oswald sind also diese phantastische Elemente nur Dinge, die momentan zum Aufmotzen von Büchern gebraucht werden. Pimp My Book also.
Und das ist ein Grundfehler des Artikels: Mag sein dass dem Autor "Die Möglichkeit einer Insel" und "Luna Park" nicht gefallen haben, von diesen beiden Büchern bzw. von den anderen Beispielen die er anführt aber gleich ein ganzes Genre per se als billig und spektakelerheischend zu verdammen ist kurzsichtig. Vor allem scheint Oswald selbst kein Genrebuch gelesen zu haben, denn sonst käme ja eines als Beispiel vielleicht vor. Am Rande wird Stephen King erwähnt, aber mehr auch nicht und auch die anderen Beispiele sind eher Bücher, die man als Genre-Leser nicht unbedingt kennt: Safran Foers "Extrem laut und unglaublich nah" oder Ian McEwans "Saturday".
Zu viel muß konstruiert und passend gemacht werden, damit der Weltenlauf sich zur Gänze in ihrem Schicksal offenbaren kann, und eben das ist es, was sie dem Leser auf so unangenehme Weise entrückt. So Oswald. Vielleicht werden sie so dem Leser Oswald entrückt, von sich auf andere zu schließen war aber noch nie eine gute Idee...
Und auch in der SF gibt es Romane, in denen "nichts" passiert, in denen der Alltag eines einzelnen Protagonisten erzählt wird - so der vierte Roman von Douglas Adams "Per Anhalter durch die Galaxis"-Trilogie, in der bekanntlich nicht wirklich viel Aufregendes passiert, nur dass Arthur Dent sich verliebt.
Ist hier offenbar jemand neidisch, weil die phantastische Literatur ein breites Spektrum darbietet, in der sich auch die "hochliterarischen" Themen durchaus abhandeln lassen können? Und dass diese Bücher sich gut verkaufen? Fast scheint es so, wenn man sich den Artikel ansieht. Im Grunde ist es doch ein höchst erfreuliches Ergebnis wenn auch literarische Größen sich phantastischer Stilmittel bedienen um ihre Geschichten zu erzählen. Und solange sie gut erzählt werden und den Leser unterhalten ist es doch in Ordnung.
Geschrieben von: Christian Spliess
28.11.2005, 15:44 Uhr | Kategorie: Allgemein
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