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Dr. Who: End of Time - Ende einer Ära?

Was passiert wenn man Russel T. Davis sehr viel Zeit lässt um David Tennant zu verabschieden? Wer Genaures wissen möchte klicke bitte weiter unten, denn ohne Spoiler kommt das Ganze hier natürlich nicht aus - vor allem dann nicht wenn man die zahlreichen Schwachstellen des Werkes anspricht. Leider gibts deren viele...
Schade. Es hätte durchaus ein Glanzstück in der Geschichte der Who-Specials werden können, denn eigentlich hatte das Special "End of Time" alles, was eine gute Doctor-Who-Folge benötigt. Die Rückkehr des Masters, die (alten) Time Lords, Gallifrey. Und die Geschichte des Ganzen klingt doch gar nicht so übel: Der Doctor wird von den Oods benachrichtigt, dass der Master wieder zurückgekehrt ist. Dummerweise ist bei dessen Auferstehung - wie die genau von statten geht verschweigt Davis uns übrigens, außer, dass ein biomechanischer Imprint und diverse Tränke dazu benötigt werden, das ist dann eher die Fantasy-Abteilung des Ganzen - was schiefgegangen. Der reiche Milliardär Naismith hat ein außeridisches Portal gefunden, dass der Master alleine reparieren kann - also schnappt man sich den, der brav das Ganze repariert. Das Problem: Dieses Portal kann zwar durchaus alle Menschen der Erde heilen - und damit unendliches Leben schenken - aber der Master hat sich selbst als Vorlage für den Prozeß eingebracht. Ergebnis: Die Master-Race. (Und ja, das wird auch wirklich so gesagt.) Die Menschheit existiert also quasi nicht mehr bis auf Wilf und Donna.
Der Doctor ist zu spät da den Master zu stoppen - die zwei Außerirdischen, die das Tor eigentlich reparieren sollten, beamen ihn und Wilf an Bord des Raumschiffes. Währenddessen Schnitt nach Gallifrey zu den Time-Lords of Old. Der Lordpresident hat einen sehr genialen Plan entwickelt um die Ergebnisse des Time-Wars - der ist bekanntermaßen time-locked, so dass nichts raus und nichts reinkann - zu überleben: Der Master hat in seinem Kopf das Signal, dass durch einen Verstärker - einen Diamanten - und ein wenig Know-How das Gate zu öffnen und die Rückkehr der Time-Lords zu gewährleisten. Was fast funktioniert, der Doctor zerstört die Anlage und damit den Link und Gallifrey, der drohend über der Erde auftauchte, verschwindet ebenso wieder wie die Time-Lords - oh, der Lordpräsident ist übrigens Rassilon. Tadah.
Der Doctor bekommt dann eine Portion Strahlung ab, in dem er Wilf befreit und trotz der anstehenden Regeneration gelingt es ihm noch so einige Besuche abzustatten - am ersten Januar des Jahres 2005 - ja, ja, Rose, genau - findet dann die Regeneration innerhalb der in der Luft befindlichen TARDIS statt, die explodiert - und neue Doctor, der genauso hibbelig zu Beginn ist wie Tennant seinerzeit - stürzt ab. Voila.

Schon beim Nacherzählen der Handlung stelle ich fest, dass es einige Elemente gibt, die überhaupt keinen Sinn ergeben. Das ist zum Beispiel die Rückkehr von Donna. Bekanntermaßen wird deren Kopf explodieren sofern sie sich an die Zeit mit dem Doctor erinnert. Nun, die frohe Nachricht: Er tut es indirekt. Die schlechte: Warum ist Donna überhaupt in diesem Special drin? Außer dass sie Anlaß für einige rührende - schluchz - Dialoge in einem Pub gibt und dass sie einmal eine Menge von Mastern flachlegt - ähm - außer Gefecht setzt hat sie keinerlei sonstige Funktion. Es hätte genügt wenn man zum Schluss ihre Hochzeit gezeigt hätte.
A propos Wilf: Man könnte ja annehmen dass jemand, der schon mit dem Doctor zu tun hatte nicht ständig in Erstaunen ausbrechen muss wenn er "out of space" ist oder sich mit der TARDIS fortbewegt hat. Vor allem dann nicht, wenn er in der ersten Folge der vierten Staffel den Doctor mit dem Teleskop erblickt...

Desweiteren haben wir da die Geschichte mit dem Master - gut, im Dr-Who-Film konnte ich noch ein Auge zudrücken, dieses schleimige schwarze Etwas hatte ja noch was. Und okay, John Simm ist blond. Pluspunkt. Aber mal ehrlich: Der Master als eine Art Superheld, der mal eben so im Steinbruch - kicher, da blieb die BBC sich ja treu - mit Turboantrieb einige Meilen überbrückt? Vor allem wenn diese Kräfte dann im zweiten Teil so gut wie gar keine Rolle mehr zu spielen scheinen? Ich meine, der Master hätte doch sicher Rassilon genauso niederstrecken können wie den Doctor im ersten Teil des Ganzen? Nein, stattdessen läuft das ja auf ein Duell raus...
Rose scheint ja ein schwaches Gedächtnis zu haben, gut, die Begegnung mit einem Fremden am 01. Januar ist natürlich auch nichts, was im Gedächtnis bleibt - dennoch - sie hat sie nie an diese Begegnung mit dem Doctor erinnert bevor der Neunte in ihr Leben trat? Vor allem nicht während der Regeneration, die sie ja in der TARDIS mitgemacht hat?
A propos: Was soll das denn eigentlich - die TARDIS übersteht ohne weiteres etliche Regeneration vorher ohne gleich in Feuer und Rauch aufzugehen - zugegeben, sie wird ein wenig in Mitleidenschaft gezogen, aber was das gegen Ende des zweiten Teils von "End of Time" passiert - Feuersbrünste galore?
Wer die Kultur der Ood dermaßen antreibt, dass die nach 100 Jahren schon auf dem Höhepunkt ist werden wir wohl auch nie erfahren...

Ebensowenig was es mit den Weeping Angel auf sich hat, der mysteriöserweise nur Wilfried erscheint. Ja, schön, sie gibt irgendwelche Warnungen ab - aber warum? Was hat sie davon? Was bedeutet das "I was lost"? Vor allem - wenn ich die Episode "Blink" richtig verstanden habe sind die Weeping Angels "quantum locked". Oder - um mal die Wikipedia zu zitieren: "They turn to stone when observed, acting as a defense mechanism, because according to the Doctor, "you can't kill a stone." While in their locked state they appear as stone statues, often covering their eyes so that they will not see each other and lock themselves forever in stone form." Dummerweise sehen die beiden Frauen an den Seiten der Time Lords aber recht menschlich aus...
Warum auch hat man den Eindruck, dass die Ereignisse im ersten Teil nicht unbedingt zielgerichtet auf den zweiten hinsteuern? Wenn der Master sich nicht selbst dupliziert hätte - und ich nehme mal an, dass das Auffinden des Gates von Torchwood reiner Zufall war - hätten die Time-Lords gar nicht zurückkehren können, richtig? Mann, haben die aber Glück gehabt, dass erstens dieses Gate da war, dass zweitens der Master sich vervielfältigen konnte und drittens dass der Link so toll funktionierte. Ach, Prophezeiungen sind doch super...

Timothy Dalton neigt leider als Rassilon ein wenig zum Overacting. Und apropos: Damit, dass wir gerade gelernt haben dass der Time-War zu Zeiten Rassilons stattfand - tja - ähm - bisher hätte man ja gut die alten Folgen der Serie noch irgendwie in den sowieso nichtexistenten Kanon einsortieren können - also vielleicht vor dem Time-War - aber das ist ja jetzt nicht mehr möglich, denn Rassilon ist einer der legendären Time-Lords - so wie Omega - die in der alten Serie doch eine gewisse Rolle spielen. "Five Doctors" anyone? Insofern hat Davis sich jetzt wirklich von der alten Serie getrennt. Das ist definitiv ein Verlust.
Na gut, die Regeneration kann hinausgezögert werden, das wissen wir - warum aber der Doctor jetzt unbedingt nochmal eine Rundreise durchs Universum machen muss? Na ja...
Übertriebenes Drama ist dann auch nicht selten im Special zu finden: Die singenden Ooods, der Erzähler mit seinem schwülstigem Bombast - hätte alles nicht sein müssen.
Dagegen waren die ruhigen Stellen, in denen Tennant allein mit Wilf ist oder über sein Schicksal sinniert wirkliche Höhepunkte. Allein, das rettet das Special nun leider auch nicht raus.

Tennants Schwanengesang hätte ein wenig mehr Logik, ein wenig mehr Stringenz und weniger Overacting besser gestanden - so bleibt, nach den wenigen Minuten mit dem neuen Doctor nur zu hoffen, dass die fünfte Staffel im nächsten Jahr einige neue Impulse bringt. Davis hat den Stab an Moffat weitergereicht, der einige brilliante Episoden geschrieben hat. Ob er sich auch als brillianter Produzent erweisen wird muss man sehen. Jedenfalls: Nächstes Jahr wirds wieder eine normale Staffel geben und ich freue mich schon riesig drauf - die Wartezeiten zwischen den Specials in diesem Jahr waren irgendwie zu lang...
Geschrieben von: Christian Spliess
02.01.2010, 23:28 Uhr | Kategorie: Serien
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