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Doctor Who - Rückblick auf die zweite Staffel

Wie immer gilt: Weiterlesen nach dem Klick und auf eigene Gefahr - denn die Serie ist hierzulande noch nicht angelaufen, Pro7 weiß auch noch nicht wann die erste Staffel überhaupt laufen wird und von daher - Spoilerwarnung en gros für den gesamten Artikel.
Um ganz ehrlich zu sein: Ich vermisse Christopher Ecclestone immer noch. Das mag natürlich damit zusammenhängen dass die erste neue Staffel von Doctor Who die erste war die ich bewußt mitbekommen habe - sehen wir mal von einigen Kindheitserinnerungen an Sylvester McCoy und Collin Baker ab - und von daher war es natürlich schon ein Schock den Doctor, meinen Doctor, gehen zu sehen. Doch kommen wir zum eigentlichen Anlass dieses Artikels: Die zweite neue Staffel von Doctor Who ist in den UK zu Ende gegangen und bei Hezmana, was war das für ein Finale. Zeit also von diesem Hammerfinale auf die gesamte Staffel zurückzublicken und etwas Bilanz zu ziehen: Wie machte sich David Tennant? Wie waren die Folgen? Hat das Konzept von Einzelepisoden und Mehrteilern noch gegriffen?
Die Staffel begann mit "The Christmas Invasion" - die diese Folge von der BBC zusammen mit "New Earth" auf eine DVD gepackt wurde zählt man sie wohl als die 2.00, sozusagen den Piloten der zweiten Staffel. TCI bot vor allem eins: Familiendrama und die Einführung des neuen roten Fadens nämlich Torchwood. Von David Tennant, der nur für die restlichen 20 Minuten überhaupt zu sehen war, konnte man sich noch keinen rechten Eindruck machen außer vielleicht, dass er nicht der "Dark Doctor" war den Ecclestone verkörperte. Was allerdings nur logisch ist: Der Time War ist offiziell beendet, der Doctor hat in der letzten Staffel mit Rose eine feste Stütze gehabt und konnte allmählich das Ganze verarbeiten. Dass allerdings David Tennant enorm "light" sein würde hätte man nun nicht unbedingt gedacht - "New Earth", die erste reguläre Folge, zeigt uns einen sehr gut aufgelegten, fast ständig grinsenden und rennenden Doctor. Wie "Rose" leidet auch diese Folge an einer nicht unbedingt logischen Story - ich meine, kommt schon, der Doctor mixt alle möglichen Heilsubstanzen zusammen und voila, schon sind alles zufrieden und glücklich? Und was ist mit dem Face of Boe, das rätselhafte Sprüche loslässt und dann einfach verschwindet? Irgendwie war die Folge weder Fisch noch Fleisch und ein sehr unbefriedigener Einstieg. Immerhin - Cassandras Körperwechsel sorgten für einigen Humor und das Ende war recht versöhnlich.
Allerdings war dann die erste historische Folge "Tooth and Claw" ein wunderbares Highlight - sowohl was den CGI-Werwolf anbetraf als auch die Story - Kung-Fu-Mönche bei Doctor Who, die wie in Tiger and Dragon die Schwerkraft aufheben - eine wunderbare Königin Viktoria - ein Puzzle, dass sich nach und nach zusammensetzt - einfach brilliante, wunderbare Unterhaltung die natürlich durch die netten Injokes wie den schottischen Akzent von David Tennant noch gewann. Hier erleben wir erstmals den Doctor von einer anderen Art und Weise: Grimmig, entschlossen, zum ersten Mal kommt die "Doctor-Nachdenk"-Sequenz mit "Yes. - No. - Perhaps." ins Spiel und so allmählich kann man mit David Tennants Darstellung warm werden. Abgesehen mal davon, dass wir die Gründung von Torchwood als Organisation mitbekommen, die den Doctor als Feind betrachtet - wenn das nicht Spannung für die Zukunft verspricht. Auch hier zum ersten Mal der Hinweis darauf, dass es nicht immer mit dem "Happy-Feeling-Verhalten" von Rose und dem Doctor, beide sind auch wirklich etwas leichtsinnig geworden als ob man all die Ereignisse in der letzten Staffel etwas vergessen hatte, weitergehen kann und ein dickes Ende folgt.
Vor allem dann attestiert man David Tennant dass er schauspielern kann wenn man sieht, dass er sich neben Anthony Stewart Head gar nicht mal so übel schlägt, der in "School Reunion", der dritten Folge, als Evil Headmaster auftritt. Nicht als DER Master, aber immerhin eine Figur, die herrlich arrogant böse ist. Zudem ist das Wiedersehen mit Sarah Jane Smith und K9 für alle die die alten Folgen kennen wirklich herzergreifend und schon hier wird angedeutet dass Rose nicht freiwillig von Bord der TARDIS gehen wird. Eine gute Geschichte, gute Monster der Woche, Sarah Jane - nach "Tooth and Claw" eine gute, überzeugende Folge.
Steven Moffat, der "The Girl in the Fireplace" geschrieben hat, sorgte danach mit einer historischen Liebesgeschichte, die teilweise im 51. Jahrhundert spielt, für Aufregung unter den Fans - unglaublich, der Doctor küsst Madam Pompadour! Rose und Mickey hingegen, der seit der letzten Folge an Bord der TARDIS ist, sehr zu meinem Leidwesen übrigens, verfallen wieder in den "Happy-Modus" und wirken erst dann glaubwürdig wenn der Doctor vermeintliche 3000 Jahre in der Vergangenheit festsitzt. Spätestens mit Folge Vier sollte man den neuen Doctor wenn nicht ins Herz, dann aber in seinen Freundeskreis aufgenommen haben - er ist anders als der Neunte, natürlich, hat aber ab und an auch seine dunklen Momente und wenn er auf einem weißen Pferd erscheint um die Pompadour zu retten - nun - Ritter in strahlender Rüstung sehen doch immer gut aus, oder?
Ein Wendepunkt der Staffel ist der Zweiteiler "Rise of the Cybemen"/"The Age of Steel". Zum ersten Mal in der neuen Serie landen wir zwar wieder auf der Erde in Roses Zeit, allerdings ist die TARDIS in einem Paralleluniversum gelandet wo die Dinge ein klein wenig anders sind. Der Beginn der ersten Folge könnte auch in einer klassischen Who-Episode so vorkommen - irgendwas explodiert und die TARDIS strandet mal wieder irgendwo wo man gar nicht sein möchte. Die CGI-Effekte - Zeppeline und der Rest des Parallel-London sind atemberaubend gut und langsam wird hier die Spannung bis zum Ende aufgebaut. Die Cybermen bekommt man höchstens mal ausschnittsweise zu sehen. Einen Vorteil hat dieser Zweiteiler: Noel Clarke, der Darsteller des Mickey, brilliert in der Folge als Rickey, der gegen die Firma kämpft die schlussendlich die Cybermen ins Leben ruft. Der Cliffhanger ist gut und eigentlich wartet man gespannt auf die nächste Folge.
Wenn ich vorhin Wendepunkt schrieb, dann meinte ich das auch, denn "The Age of Steel" vermag leider den aufgebauten Spannungsbogen des ersten Teils nicht mehr zu halten und aus den Cybermen hätte man mehr machen können und sollen. Aber mehr als durch die Gegend stampfen, Menschen umwandlen und irgendwie nicht ganz so bedrohlich wirken machen die Blechkameraden in diesem zweiten Teil nicht. Da hilft es nicht, dass man am Ende Mickey loswird - juhu! - der in dem parallelen Universum bleibt um den Kampf gegen Cybernetics fortzusetzen und Rickeys Stelle einzunehmen.
Danach dann "The Idiot's Lantern", 1953, Krönung von Königin Viktoria. Das einzig gute an dieser Folge ist The Wire sowie die Tatsache, dass der Doctor a la King-Kong am Ende einen Sendemast erklimmt. Das Familiendrama zwischendrin ist etwas zu dick aufgetragen, die Gesichtslosen sind eine nette Idee aber damit macht man nichts besonderes als sie einfach irgendwo zusammen einzusperren - toll - und die Auflösung ist auch nicht gerade nett. Ja, es ist noch gute Who-Unterhaltung, aber die Folge ist definitiv eine der schwächeren dieser Staffel.
"Impossible Planet" / "Satan Pit" hebt das Niveau wieder - ich liebe die Zoidbergs, ähem, die Oods - wobei allerdings der erste Teil schwächer ist als der zweite. Dass die TARDIS vollkommen abhanden kommt hatten wir schon mal und der Deus Ex Machina ist auch zum Ende von "Satan Pit" ein wenig weit hergeholt. In "Satan Pit" zeigt der Doctor sich mal von seiner nachdenklichen Seite, hier geht es um das Thema Glauben und wenn der Doctor sagt, dass er an Rose Tyler glaubt - in einem der berührensten Momente der Serie - dann wertet das die Folge definitiv auf, während der erste Teil eigentlich nur als Vorgeplänkel für die Konfrontation dient und zwar auch nette Szenen hat, aber nicht unbedingt als Ganzes überzeugt.
"Love and Monsters" ist, sehen wir mal von der Story, dem Monster und das Ende ab, eine der gelungensten Folgen der Serie. Einmal, weil man hier den Mut aufgebracht hat die ganze Folge aus Sicht eines Außenstehenden zu betrachten, der Doctor kommt allenfalls mal zehn Minuten vor, dann sieht man endlich mal die Auswirkungen der Taten des Doctors aus der ersten Staffel auf die Menschen und man erlebt mit wie sich eine Gruppe von Fans wandelt. Peter Kaye als Monster ist in der menschlichen Form noch einigermaßen überzeugend, aber wie gesagt - das Ende ist einfach lächerlich, wobei es da doch eine überraschende Pointe gibt. Gut, der Absorbaloff ist eine Erfindung eines "Blue Peter"-Zuschauers, der gerade mal neun Jahre alt ist. Von daher...
"Fear Her" ist nett. Eine klassische Doctor-Who-Story ohne großartige CGI-Effekte, die Spannung kommt hier durch das Reagieren der einzelnen Charaktere zustande und Rose mit einer Spitzhacke eine Tür zerstören zu sehen ist genial. Die Geschichte an sich reiht sich in die Tradition der Familiendramen ein und natürlich gibts ein Happy End. Aber "a storm is coming", sagt der Doctor am Ende und damit kommen wir zum Finale, dass die eher mittelmäßigen Folgen absolut herausreißt: "Army of Ghosts"/"Doomsday" liefert dem Fanboy das, was er immer mal sehen wollte. Den finalen Kampf zwischen Cybermen und Daleks, einen überzeugenden Mickey, großartige Spezialeffekte - allein die Dalek-Armee über London schwebend, whow oder das Void-Schiff und die Geister - man merkt, die hatten definitiv mehr Geld zur Verfügung als in der ersten Staffel. Allerdings ist dieser Zweiteiler auch bitter, denn Rose Tyler geht von Bord der TARDIS und der Doctor ist wieder alleine unterwegs. Und die Lösung, die man da gefunden hatte war einfach genial: Rose bleibt im Paralleluniversum zusammen mit dem Rest der Familie - Jackie, ihrem dort noch lebenden Vater und Mickey - und arbeitet bei Torchwood mit.
Überhaupt Torchwood - die ganzen Andeutungen, die schon im Finale der ersten neuen Staffel fielen, wenn man mal genau hinhört was der Ann-Droid für Fragen stellt sollte man den Begriff zum ersten Mal hören, passen jetzt wie ein Puzzleteil zusammen: Die Waffe, die die Sycorax in der Christmas Invasion vernichtete, die ganzen Anspielungen wie "Torchwood Files", "Torchwood Archive" etwa finden sich in "Army of Ghosts" in einem wunderbaren Ganzen zusammen. Da passt alles zusammen und lässt außerdem noch genügend Raum für die Spinoff-Serie mit Jack Harkness, die derzeit gedreht wird und im Herbst anläuft.
Ein persönliches Fazit: Die zweite Staffel hat ein wenig mit dem Buffy-Problem zu kämpfen. Zu Beginn gibt es ausgezeichnete Folgen bis sie dann etwas abfällt, durch "Planet " und "Pit" zwar etwas an Niveau gewinnt, dann aber gibts zwischendurch wieder Folgen, die nicht so prickelnd sind. Das Finale dagegen reißt, wie in den letzten beiden Buffy-Folgen, das Ganze dann aber wieder raus. Unterhaltsam ist das allemal, selbst eine nicht so gute Who-Folge ist immer noch um Meilen besser als das was derzeit im deutschen Fernsehen läuft. (Stargate-Fans und BSG-Fans werden mich jetzt lynchen... ;-)) Da Doctor Who eine Familienserie ist, das Gute stets am Ende gewinnt und manchmal sogar mit einem Lächeln erklärt wird rechne ich damit, dass sie ideal für diejenigen sein wird, die die TOS-Star-Trek-Serie mochten. Hoffen wir mal dass Pro7 endlich bekanntgibt, wann die Serie hier anläuft - ich rechne immer noch mit einem Montag-Abend-Sendeplatz.
Geschrieben von: Christian Spliess
09.07.2006, 23:26 Uhr | Kategorie: Allgemein
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Funksprüche zu diesem Eintrag

  1. Allgemein schöne Zusammenfassung. :-)

    Ich war doch ein wenig enttäuscht im Finale, dass die Daleks den Cybermen doch anscheinend irgendwie überlegen waren, überhaupt haben mich die Cybermen nicht so sehr vom Hocker gerissen, wie sagen wir die Borg in ihrem ersten Auftreten oder die Cylonen in der neuen grandiosen BG Serie.

    Der "The Impossible Planet"-Zweiteiler war hingegen einfach grandios, allein die Eingangsszene mit den Illitiden ("We must feed..." - "We must feed...", "We must feed..." - klopfen an Übersetzungsgerät - "... you. Do you want a refreshment?"), wobei mir das schwarze Loch vom Design allerdings zu Disney-mäßig war.

    Bleiben die bangen Frage, ob Torchwood dieses Niveau halten kann ohne den Doctor, ob eine weggelaufene Braut wirklich Weihnachten retten kann und ob die neue Companion wirklich ein Rose-Ersatz sein kann.

    - Ron.

    P.S.: Kleiner Hinweis: 1953 wurde nicht Königin Victoria, sondern die auch uns noch bekannte Elisabeth II gekrönt.
    Ron am 10.07.2006 um 04:17 | #
  2. Ach, diese ganzen Königinnen drüben sind ja auch verwirrend... ;-)
    Und ja, die Eingangsszene mit den Ood ist klasse. Wie geschrieben, meine Lieblingsaliens dieser Staffel. So richtig zum Knuddeln. BBC? Kuscheltiere? Ja? Bald?
    Christian Spliess (Info) am 10.07.2006 um 17:51 | #
  3. Also mir hat das gepräch zwischen kaleks und cybermen am besten gefallen ich wäre vor lachen beinahe vom sofa gefallen als der dalek sagt you are superior in one respect Cybermen and that is und der dalek antwortet you are better at diing oder vorher mit dem you identifie first also da konnt ich nicht mehr Linkavalon am 17.07.2006 um 21:38 | #

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