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“Doctor Who"-Absetzung: Ist Pro7 wirklich nur alleine Schuld?

Morgen wird "Doctor Who" mit der Episode "Dalek" in Deutschland seinen Kurzbesuch abschließen. Dass die Serie jetzt abgesetzt wird bevor Christopher Eccleston seine "Finest Hours" hat und Captain Jack auf der Bildfläche erscheint ist gelinde gesagt eine Katastrophe. Denn gerade jetzt kämen die HUGO-gekrönten Folgen von Steven Moffat, gerade jetzt käme der Auftritt von Captain Jack und gerade jetzt würde klar, warum der Neunte der "Dark Doctor" ist. Ein wenig sieht man davon ja schön in "Dalek" - aber der Handlungsbogen um den "Time War", der was anderes ist als ein "Ewiger Krieg" seufz, wird leider nicht beendet. Unmut regt sich, nicht nur bei den alten sondern auch bei den neuen Fans, die erst durch die deutschen Folgen die Serie kennengelernt haben. Zumal Pro7 schon etliche Fans mit der Ausstrahlungpolitik von "The 4400" und "Jericho" eh schon vergraulte. Nur: Ist der Sender jetzt wirklich alleine Schuld? Ist es nicht zu einfach wenn man sagt, dass Pro7 allein die Schuld träfe?

Klar, es ist wieder mal der Sender schuld - schlechter Sendeplatz, wenig Werbung, etc. Bestimmt hätte die Serie nach einer fetten Kampagne um 20.15 am Montag 20 Prozent eingefahren. Sicher. Es liegt nie am Zuschauer, der nicht einschaltet.


So bemerkt Thorsten Dewi es süffisant in den Kommentaren des Blogs Medienlese. Hat er nicht Recht? Wie sollen Sender denn sonst reagieren wenn eine Serie beim ersten Mal nicht gleich beim Kunden ankommt und man keine Werbeplätze verkaufen kann? Vielleicht so wie VOX bei "Ally McBeal"? Oder wie FOX damals bei den "X-Akten"?
Seien wir realistisch: "Doctor Who" braucht Zeit um sich Fans zu erobern. Zumindest hier in Deutschland, denn hierzulande gibts keine Fernseh-Tradition, ist der Doctor kein Popkulturphänomen. "Daleks", "Cybermen", "Master" - damit verbindet man hier wirklich nun gar nichts. Die Serie braucht also Zeit um sich eine Fanbasis zu erarbeiten und dass es diese deutschen neuen Fans gibt beweisen unzählige Einträge im DrWho-Forum oder in der SF-Community, beweisen diverse Kommentare in Blogs, die sich mit dem Thema beschäftigen. Potential ist also da: Es gibt Zuschauer, die das sehen wollen. Nur waren es offenbar nicht viele, sonst hätte Pro7 die Serie nicht stante pede abgesetzt. War die Serie zu britisch? Zu krude? Für den Mainstream-Geschmack sowieso nicht geschaffen sollte es doch möglich sein eine britische SF-Serie hier zu landen - "Primeval" hat ja auch funktioniert. Gut, da hatte Pro7 auch selbst Geld investiert, was natürlich den prominenteren Sendeplatz damals erklärt. (Ich bin gespannt ob die zweite Staffel auch hier laufen wird, aber ich bin mir sicher die kommt beim Mystery-Montag einen guten Sendeplatz, man will ja schließlich seine Rendite reinbekommen... Sarkasmus? Aber nicht doch.)
Nein, so einfach ist es nun auch nicht - die Schuld dem Zuschauer zuzuschieben ist genauso billig wie sie nur Pro7 zuschustern zu wollen. Aber überlegen wir doch mal logisch, was passiert wenn man als Sender nicht genügend Werbung für eine Serie schaltet, diese in einem ungünstigen Umfeld platziert - "Freddy" ist die unlustiges Comedyserie, die ich JE gesehen habe, selbst "Die Nanny" ist Gold dagegen, Gold! Reinstes GOLD! - und dann dafür sorgt dass die zweite Folge am Samstag mit der Sportschau kollidiert. Richtig: Man muss sie wegen mangelnder Quoten absetzen.
Es ist nun nicht gesagt, wie Herr Dewi oben anmerkte, dass die Serie an einem Montag-Abend-Sendeplatz nun wirklich DIE Quoten eingefahren hätte. Doch der Zuschauer hat sich daran gewöhnt, dass am Montag-Abend eigentlich - sehen wir mal von diversen Comedy-Irrungen des Senders ab - Mystery und/oder SF läuft. Das hat man eventuell noch von den "X-Akten" drin. Das heißt: Würde man "Doctor Who" dort platzieren, vielleicht auf den 21:15 Uhr-Sendeplatz, hätte man einerseits einen Lead, andererseits hätte man das richtig Umfeld: Mystery und SF. Gut, die Quoten beim Mystery-Montag sacken schon seit einiger Zeit ab, aber wenn man sowieso nichts zu verlieren hat...
Als "Heroes" bei RTL2 startete unternahm der Sender eine Werbekampagne ohnegleichen: Trailer liefen schon seit Wochen vorher, man platzierte Anzeigen auf der Rückseite von Bastei-Heftromanen - hey, das passt - und unternahm eine Menge um diese Serie hierzulande bekannt zu machen. Nun mag "Heroes" keine SF sein, allenfalls Elemente enthalten, aber sie ist auch nicht "Der Bergdoktor". Sprich: Die Serie kannte vorher auch kein Mensch und sie war auch noch Gerne-Kost. Schön, RTL2 schnibbelte auch derbe an der Serie herum, aber es gab zumindest eine Nachtwiederholung. Das hatte Pro7 wohl nicht unbedingt nötig. Und vor allem hatte Pro7 auch keine Werbekampagne nötig: Ein hurtig gebauter Trailer, der kurz vor der ersten Folge lief - zwar häufig am Tag, aber eben halt kurzfristig - und dann verschwand der nach der ersten Folge der Serie wohl komplett aus dem Programm. Wie der Zuschauer zu einer Serie einschalten soll wenn er nicht weiß dass es diese Serie gibt ist mir ein Rätsel - aber sicherlich wird "The next Uri Geller" das lösen können.
Nun kann man natürlich nicht Pro7 mit dem kanadischen Sender CBC vergleichen, der seinen kanadischen Zuschauern in gutgemachten Specials erklärte, was Who ist, wie die Serie entstand und was an ihr so besonders ist. Eine Dokureihe wie "The Planet of the Doctor" zu machen sprengte vermutlich eh das Budget des Senders...
Wer auch immer den Sendeplatz aussuchte, er hätte durch die Quoten von "Kyle XY" gewarnt sein müssen - berauschend waren diese in der Tat auch nicht. Was auch nicht verwundert in dem Umfeld, denn der Comedy-Block spricht natürlich andere Zuschauer an als SF. Wobei sich die Frage stellt warum "Kyle XY" nicht schon längst über den Jordan geschmissen wurde. Gute Frage, nächste Frage. Nämlich warum man auf die Idee kam Doppelfolgen auszustrahlen. War Pro7 nicht klar, dass beim Start der Serie das Handball-Finale lief und viele Zuschauer nach der ersten Folge wohl umschalteten? Und dass die Bundesliga irgendwann wieder anfangen würde und damit ebenfalls in die Serie grätschen würde, war das nicht ebenfalls vorhersehbar?
Natürlich ist "Rose" überaus schwach zum Einstieg - da waren die Effekte wirklich "cheasy" und das hat vermutlich eh etliche Zuschauer abgeschreckt. Mag sein, dass das plus Synchro den Eindruck "Kinderserie - ist mir zu albern, schaue ich mir nicht weiter an" verstärkte. Wenn man dann auch noch zum Handball schaltete verpasste man natürlich den optischen Knalleffekt. Insofern war der Zuschauer vielleicht wirklich "zu doof", am nächsten Samstag nicht einzuschalten und Schuld an der Absetzung der Serie.
Es mag allzu einfach sein die Schuld nur der einen oder nur der anderen Seite zuzuschieben - aber in dem Fall hat Pro7 einen sehr großen Anteil daran, dass der Doctor hierzulande nur eine Stippvisite machen konnte und durfte. So sehr man von Seiten des Synchronteams auch beteuerte, dass die Zusammenarbeit echt toll verlaufen sei, weil ein Redakteur Who-Fan ist. Es scheint so, dass man wie bei der Musikindustrie bei den Sendern nur noch auf den Profit schielt - wie der zustande kommen soll wenn man allmählich seine Zuschauer vergrault ist natürlich die Frage, aber Nachhaltigkeit wird heute nicht mehr einprogrammiert. Das war auch mal anders: Als VOX beim ersten Ausstrahlen von "Ally McBeal" merkte, dass die Serie nicht zündete setzte man sie zwar ab, suchte aber einen anderen Sendeplatz und hatte, nachdem man einige Folgen abwartete, dann für lange Zeit DEN Serienhit im Programm. Bei den "X-Akten" war es in den USA ähnlich. Doch die Zeiten in denen man abwarten konnte scheinen momentan vorbei zu sein - jedenfalls hier. Denn eine Serie wie "Friday Night Lights" ist erstaunlicherweise trotz schwacher Quoten im Programm, NBCs "Life" war ebenfalls kein großer Erfolg und ist es eigentlich von den Quoten her gesehen auch bis zum "Staffelfinale" nie gewesen. Aber sie hatte treue und ergebene Fans. Vielleicht sollte man sich mal darauf besinnen, dass es diese Fans sind, die den Sender zu einem Image verhelfen - aber Image, was ist das schon wert in den Zeiten des Profits?
(Wie man bei DrWho erfahren kannt scheint Pro7 die Serie nicht komplett abgeschrieben zu haben. Aber ob und wann der Doctor wiederkommt weiß natürlich kein Mensch...)
Geschrieben von: Christian Spliess
08.02.2008, 03:47 Uhr | Kategorie: Allgemein
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Funksprüche zu diesem Eintrag

  1. Moinsen,

    außerdem wird am Montag die letzte "Lost" Folge der Staffel ausgestrahlt. Und nachdem man mit Doktor Who sowieso schon ewig gewartet hat, wäre das vielleicht wirklich ein guter Platz gewesen. Aber Samstag spät nachmittags? Ich habe keine einzige Folge gesehen... Wenn ich kurz mal nachdenke, ist Montag abend der einzige Termin an dem ich überhaupot Pro7 einschalte.
    Damit ist dann nach Montag auch wieder Schluss.

    ingo
    ingo am 08.02.2008 um 08:59 | #
  2. Hui, da hat sich jemand aber mächtig Frust und gerechten Zorn von der Seele geschrieben.

    Und ja, ich dachte auch als erstes an Ally McBeal, eine Serie, die im zweiten Anlauf auf VOX zu regelrechtem Kult wurde. Aber heute verschwinden (meist eigenproduzierte) Serien schneller aus dem Programm nicht nur der Privatsender, als man "Papp" sagen kann :-)

    Der Montagabend bei der ARD hat schon zwei Serienleichen zu verzeichnen, SAT1 produziert "Die Anwälte" als eine Art deutsches Gegenstück zu "Boston Legal" & Co und stoppt die Ausstrahlung nach der ersten Folge.

    Und Veronika Mars fristet im ZDF ihr Dasein nach Mitternacht...
    Wolf am 08.02.2008 um 10:20 | #
  3. "Veronika Mars" ist halt die würdige Nachfolgerin der ersten "Sopranos"-Staffel - die erste Serie, die ich je von HBO gesehen habe und falls jemand meint, es wäre EINFACH gewesen damals die Serie zu gucken die zwar immmer Samstag lief, aber halt mal um Mitternacht, dann mal um 2:00, mal um 3:00... NEIN. Aber immerhin bin seither Fan von HBO-Serien. Im Allgemeinen.
    "Die Anwälte" habe ich nicht gesehen, aber in dem Fall nach einer Folge die Serie sofort aus dem Programm zu schmeißen? Und so sehr ich auch die deutsche It-Crowd-Version gehasst habe - zwei Folgen war auch denen nur vergönnt.
    Wut? Nein, Wut nicht mehr. Aber sehr ausdrucksvoller und starker Ärger. Mag sein, dass man sich bei Pro7 mit dem Sendeplatz wirklich was gedacht hat - aber mitten in der ersten Staffel die Reißleine zu ziehen wenns sowieso nur noch vier oder fünf - wenn man die Christmas-Invasion direkt nach dem Finale gesendet hätte - Tage gewesen wären...
    Ich finde es wird Zeit für eine phantasievolle Protestaktion - weiß jemand wer günstig Bananen über Land verschickt? ;-)
    Christian Spliess (Info) am 08.02.2008 um 19:28 | #
  4. Ich bin ein grosser Doctor Who fan und habe bereits alle orginal Folgen auf DVD gesehen. Zum Thema Absetzung kann ich nur sagen: Gut so! Denn was sich da Pro 7 bei der Ausstrahlung geleistet hat, ist schlicht unerträglich! Bei der Folge "Dalek" wurden etliche Szenen zensiert, so dass man fast von einem kastrierten Doctor sprechen kann. Somit wurde die Serie komplett verhunzt und Kinder-kompatibel gemacht - und dies wird dem guten Doctor keineswegs gerecht.

    Deutschland hat scheinbar Doctor Who nicht verdient, deshalb werde ich mir weiterhin die zukünftigen Folgen im Original anschauen und das "Experiment Doctor Who in Deutschland" getrost abhaken.

    Abslom Dark - Dalek Killer
    jyrascarn am 15.02.2008 um 17:14 | #
  5. Kleine Korrektur: Es war RTL und nicht Sat1, das "Die Anwälte" produzierte, und Hauptdarsteller Kai Wiesinger ist stocksauer über die schnelle Absetzung. "IT-Crowd" war mir überhaupt kein Begriff, habe mich dann mal per Google+Wiki schlau gemacht. Ein deutsches Remake eines erfolgreichen Fernsehstoffes ist schwierig. Da gab es ja mal den deutschen Al Bundy Jupp Strunk oder die Akte X-Variante "Operation Phönix"... Immerhin: Die deutsche Office-Version "Stromberg" konnte punkten, aber auch deshalb, weil Pro7 hier trotz anfänglich niedriger Quoten Durchhaltevermögen bewies und zu Recht Vertrauen in Drehbücher und Hauptdarsteller hatte. Aber jetzt bin ich gewaltig "off Topic" gesegelt. Wie wäre es mit dem Alias-Sendeplatz für den Doktor? Ähnlich wie "Battlestar Galactica" zu später Stunde, konnte J.J. Abrams Agentenserie durch ihre komplexe Handlung hierzulande nicht landen, also werden die restlichen Episoden reichlich spät heruntergenudelt. Aber um diese Zeit sind nicht die verheerenden Schnitte nötig, die "Doctor Who" am Nachmittag erfuhr. Und vielleicht entwickelt sich ja ein treues Stammpublikum. Auch wenn Herr Dewi, der zugegebenermaßen in der TV-Sender-Branche gearbeitet hat, wahrscheinlich eher mit deren Realitäten vertraut ist als ich und dies verneinen wird... Wolf am 15.02.2008 um 19:39 | #
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  42. Never part without loving words to think of during your absence. It may be that you will not meet again in life. bradylalia am 08.06.2008 um 21:33 | #
  43. To achieve great things we must live as though we were never going to die. gin am 08.06.2008 um 21:36 | #
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  48. The people who are regarded as moral luminaries are those who forego ordinary pleasures themselves and find compensation in interfering with the pleasures of others. endorsed am 09.06.2008 um 23:05 | #
  49. There is nothing more dreadful than imagination without taste. buy vicodin online ethylate molten am 10.06.2008 um 02:40 | #
  50. The happiest is the person who suffers the least pain; the most miserable who enjoys the least pleasure. repugnant am 10.06.2008 um 06:21 | #
  51. WIR WOLLEN DR.WHO WIEDERHABEN!

    Unverschämtheit, mitten in der Staffel aufzuhören.

    WIR WOLLEN DR.WHO WIEDERHABEN!

    Frankfurt/Nürnberg
    06.05.2010
    John am 06.05.2010 um 20:33 | #

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Autor: Christian Spließ | Herausgeber: medienrauschen Netzwerk | Alle Rechte vorbehalten.

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