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Deutsche SF-Podiobooks sind schwer zu finden

Es ist schon seltsam: Da bietet sich ein neuer Vertriebsweg für Autoren an - nicht nur SF-Autoren - aber hier in Deutschland nutzt den kaum jemand. Die Rede ist von Podiobooks, Lesungen von Büchern als Podcasts. Büchern, die auch exklusiv für das Format geschrieben worden sein können oder Bücher, die im Nachhinein für Podcasts gelesen werden.
Wenn man ein wenig danach sucht stöbert man früher oder später Scott Siglers Earthcore auf, das mittlerweile auch als Print-Ausgabe vorliegt, noch können die kompletten Kapitel als Podcast heruntergeladen werden. Der Nachfolgeroman "Ancestor" hat es vom Fleck weg im letzten Monat auf Platz 1 von Podcast-Alley geschafft. Da Podcast-Alley eine Art Publikumsvoting ist, sagt das schon eine Menge über die Fangemeinde aus, die einmal im Monat auf die Seite gehen und wählen muss.
Sind die beiden Podiobooks SF? Gute Frage. "Earthcore" ist eher dem Horror-Genre zuzurechnen, während "Ancestor" durchaus SF-Anteile zu bieten hat, hier geht es um die Biotechnologie und um die Frage, was man tun kann um Menschen zu helfen, die an Organversagen leiden. Eines sind beide mit Sicherheit: Ziemlich, ziemlich blutig. "Explizit Lyrics" prangt deshalb auch beim Itunes-Shop als Etikett bei diesen beiden Büchern, wenn man sie von dort kostenlos abonnieren möchte.
Ansonsten gibt es Fantasy-Bücher und Sachbücher, die auf diesem Weg vertrieben werden. Hier in Deutschland kommt allmählich eine "Public-Domain"-Lesewelle auf, ob nun "Immensee" von Theodor Storm - im Literaturcafe-Podcast - oder "Robinson Crusoe" - Caro liest vor - sogar Karl May habe ich schon bei Podster gesichtet. Vermutlich hängt diese Welle damit zusammen, dass man hier zumindest keine Angst haben muss von irgendwelchen Verlagen verklagt zu werden, schließlich sind die Autoren schon etliche Jährchen tot - idealerweise sollten sie das 70 Jahre sein. Das klingt jetzt zynisch ist aber nur das deutsche Recht. Warum taucht dann H.G. Wells nicht in deutschen Podcasts auf? "Krieg der Welten" ist doch unproblematisch?
Hmm - nein. Jedenfalls nicht, wenn man eine deutsche Übersetzung vorlesen möchte, denn der Übersetzer hat auch ein Recht an seiner Übersetzung. Und die meisten Übersetzer leben halt noch. Die Mühe, den ganzen Roman extra für einen Podcast zu übersetzen macht sich begreiflicherweise keiner.
Aber was hält SF-Autoren eigentlich davon ab mit der Zeit zu gehen? Hier in Deutschland? Nachwuchsautoren? Gut, die großen bekannten SF-Autoren haben ihre Hörbuch-Ausgaben, aber gerade für die unabhängigen Kleinverlage böte sich hier zumindest eine Chance an das Werk eines Autors bekannter zu machen. Aber schön, RSS-Feeds, MP3-Dateien und "free as in beer" scheinen sich offenbar hier nicht zusammenfinden zu wollen. Sagt aber später nicht, dass ihr nichts wußtet...
Geschrieben von: Christian Spliess
08.11.2005, 03:32 Uhr | Kategorie: Allgemein Audio
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Autor: Christian Spließ | Herausgeber: medienrauschen Netzwerk | Alle Rechte vorbehalten.

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