Deus Ex Machina: Zeitreisen
Man sollte eigentlich nicht über Dinge schreiben, die man nicht kennt. Deswegen streife ich auch nur ganz dezent die Tatsache, dass RTL2 die achte Staffel von Stargate in Deutschland endlich mal zu Ende gebracht hat - die Quoten waren hierzulande recht gut - und noch in diesem Jahr mit anderen Hauptcharakteren die neunte Staffel zeigen wird. Immerhin, acht Jahre sind eine lange Zeit und jetzt hat man offenbar Tabula Rasa gemacht. Und was nimmt man dafür: Eine Zeitreise. Seufz...
Wie gesagt, ich kann nichts über Stargate selbst sagen, das sollen andere ausführlich und gerne tun, aber irgendwie ist die Zeitreise in der SF zu einem neuen Deus Ex Machina geworden. Beliebt sind natürlich auch die Erinnerungslücken, die bei Alias schon mal gut und gerne Jahre umfassen können. Dennoch: Zeitreisen sind eine problematische Angelegenheit - dass diese mitunter ihre Tücken haben zeigt die erste neue Staffel von Doctor Who, in "Fathers Day" wird mal eben die Welt zerstört weil Rose den normalen Ablauf der Dinge verändert. Allerdings: Auch bei Doctor Who wird nicht so ganz erklärt, warum der Doctor permanent in Zeitläufte eingreift und diese dann doch verändern darf ohne die Folgen auf sich zu nehmen. Das Universum des Doctors ist allerdings weitaus komplexer und komplizierter als das von Star-Gate deswegen bleibt wenn ich lese, dass die letzte Staffel halt mit einer Zeitreise geendet hat und somit jetzt der Alles-Auf-Anfang-Punkt mehr oder weniger erreicht ist ein schaler Beigeschmack übrig.
Zugegeben - Doctor Who hat im Finale der ersten Staffel auch eine Zeitreise. Verblüffenderweise ähnelt sie der, die in Perry Rhodan die Erklärung für die Entstehung der Superintelligenz ES abliefert - das ist kein Spoiler, sie ähnelt ihr nur, aber so ganz gleich sind sich die beiden Prozesse nicht. Als ich damals das Heft 2000 las war ich am Ende enttäuscht. Denn durch diese Zeitschleife, die dort eingeführt wurde, verlor ES, der Uralte von Wanderer, viel von seinem Charisma. Während bei Doctor Who die emotionale Bindung der beiden Haupterpersonen in dieser Situation dann dafür sorgt dass mir hier diese erschaffene Schleife durchaus zusagt. Es kommt halt darauf an wie es gemacht wird.
Ob das Ende der Staffel bei Stargate nun wirklich nur Mittel zum Zweck war, eine bequeme Möglichkeit gleich mal eben acht Jahre aus dem Weg zu räumen - der Bobby-Ewing-Effekt mehr oder weniger - kann ich nicht beurteilen. Ich habe nach der ersten Staffel von Stargate entschieden, dass dies nichts für mich ist und bei einer Serie deren Thematiken sich dann über acht Staffeln hinziehen ist es wie bei Babylon 5 - einmal den Anfang verpasst ist das Hineinkommen in die Serie unmöglich.
Und ja, auch Farscape kennt die Zeitreise, aber da wird diese nicht als gütige Deus Ex Machina-Lösung verwendet, im Gegenteil: Nachdem in der dritten Staffel die Charaktere mehr oder weniger heil in ihrer eigenen Zeit gelandet sind hat sich die Lage eher verschlimmert. Hier dient die Zeitreise eher dazu die Charakteren auszuleuchten und die Geschichte der Staffel selbst weiterzuführen. Wie gesagt - ich kanns bei Stargate nicht beurteilen aber Zeitreisen als eleganten und faulen Weg zu benutzen um sich von Ballast zu trennen ist in meinen Augen das einfallsloseste was SF-Autoren - ob Buch oder Serie - nun passieren kann.