Der Battlestar-Flop
Es waren zu Beginn der Serie 2,56 Millionen Zuschauer - damit legte Battlestar Galactica, das Remake der alten SF-Serie, einen Traumstart hin und es schien, als ob auch hierzulande die Neuauflage der Abenteuer um Adama, Apollo und Co. wie zuvor schon Stargate und Stargate Atlantis gut punkten würde. Der Sendeplatz war angemessen, die Fans waren offenbar gefunden - was konnte da noch schiefgehen? Nun, irgendetwas ist definitiv schiefgegangen - die Quoten sanken permanent, selbst das Ausstrahlen des Finales als Doppelfolge konnte zuletzt nicht mehr an den grandiosen Start anknüpfen. Man kann über die Gründe nur mutmaßen, aber vielleicht erhellen diese Mutmaßungen vielleicht ein klein wenig wie es zum Quotenschwund kam.
Der Mittwoch ist hierzulande bei RTL2 das, was der SCIFI-Friday drüben in den USA ist. Falls jemand SF-Serien im deutschen Fernsehen erwartet, dann wohl am ehesten auf dem gut eingebürgerten Sendeplatz von Stargate, Stargate Atlantis, Andromeda oder LEXX. Allerdings ist der Mittwochs-Sendeplatz auch ein sehr problematischer besonders dann wenn eine SF-Serie ab 20:15 Uhr ins Programm gehievt wird. Denn das ist für viele Grissom-Time. CSI ist die erfolgreichste Serie seit langer Zeit und selbst in der Wiederholung fesselt die Serie ihre Fans an den Bildschirm. VOX strahlt die Serie seit 2001 exakt immer am Mittwoch aus. Warum das für Stargate bislang kein Problem war? Ganz einfach: Die Serie läuft in Deutschland seit 1997. Innerhalb der vier Jahre hat es die Serie geschafft eine starke Fangemeinde an sich zu binden. Battlestar dagegen musste einerseits gegen CSI bestehen und - das klingt jetzt paradox - andererseits auch gegen Stargate und Stargate:Atlantis, schließlich wurden die Folgen auf dem Sendeplatz der alten Serien ausgestrahlt. Vielleicht hätte sich BSG noch gegen CSI behaupten können. Aber BG ist nicht das, was die Zuschauer von Stargate gewohnt sind: Stargate ist im Gegensatz zu BSG leichter, heller und freundlicher. Und wie schon erwähnt, Stargate hatte genügend Zeit sich eine Fangemeinde aufzubauen die sich gegen die neuen Formate wie CSI oder Germanys Next Top Model - ja, das lief auch parallel zu BSG und hat etliche Zuschauer abgezogen - zu behaupten. Und das Spinoff SG:Atlantis fußt natürlich auf dieser großen Fangemeinde.
Werbung und RTL2 - ein weites Feld. Es gibt eigentlich Regeln dafür, wie oft und wie lange Werbung innerhalb von Serien gezeigt werden darf, das gefühlte Verhältnis von Film und Werbung bei RTL2 allerdings schlägt meistens zuungunsten des Films aus. Häufige Werbeunterbrechungen, Pop-Ups und bewegte Animationen wurden von etlichen Fans der Serie beklagt. Natürlich müssen die privaten Sender mit der Werbung ihr Geld verdienen, aber konsequent häufiger Einsatz von Werbung stößt auch denjenigen ab, der eigentlich Gefallen an der Serie gefunden hatte. Was macht dieser Zuschauer also? Er schaltet um oder gänzlich ab und wird sich sagen, dass man eigentlich auf die deutschen DVDs warten könnte, da hat man ja mehr von - besseres Bild - 16:9 anstatt 4:3 bei RTL2 - und keine penetrant nervende Werbung. Ich kann nicht beurteilen inwieweit RTL2 das bei SG anders gehandhabt hat, ob sich die Werbestrategie änderte - was sie sicherlich getan haben wird seit 1997 - jedenfalls ist das ein bedeutender Faktor, der für die sinkenden Quoten verantwortlich gemacht werden könnte.
Ich habe es schon weiter oben betont: Battlestar ist eine Serie, die düster, dunkel und teilweise recht brutal ist. Damit werden Stargate-Zuschauer ihre Probleme gehabt haben. Zudem ist die Serie noch mit einem starken Story-Arc gesegnet. Heißt: Wenn ich eine Folge verpasst habe, habe ich es schwerer wieder einzusteigen als bei anderen Serien. Diese Serien sind Gift für die Zielgruppe, die nur ab und an mal eine Folge SF im Fernsehen sehen möchte. Und das dürften wohl die überwiegenden Fans von Stargate sein: Sie möchten eine nette Feierabend-Serie sehen, sich etwas enspannen und vielleicht nicht gerade groß drüber nachdenken müssen über das, was da auf der kleinen Leinwand zu sehen ist. BSG dagegen erfordert schon ein gewaltiges Maß an Konzentration. Rückblenden, Traumsequenzen, mehrere Handlungsstränge, überraschende Charakterentwicklungen - zum mal eben Nebenbeischauen ist die Serie nicht geeignet. Bei DVDs ist das kein Problem: Man sieht mehrere Folgen hintereinander, spult eventuell zurück wenn man was nicht verstanden hat und hat mehr Zeit und Muße sich mit der Serie zu beschäftigen.
Wie schon geschrieben: Das alles könnten Gründe für den Flop der Serie hierzulande gewesen sein. Wenn ihr natürlich andere Gründe nennen könnt oder meint, dass ich komplett falsch liege - dafür sind wie immer die Kommentare da. Staffel Zwei der Serie kommt jedoch trotz der gesunkenen Quoten auf RTL2: Vermutlich im September.