Das Verwursten des Recyclings
Würde ich dieser Tage die Chance bekommen mit George Lucas zu telefonieren, wäre meine erste Wortäußerung: "Wenn dir nichts mehr einfällt, dann lass es halt bleiben."
Denn wenn dieser Tage "Star Wars: THE Clone Wars" - und ich betone das THE nicht ohne Grund - hierzulande im Kino zu sehen ist, dann kann man ich natürlich die Hardcore-Star-Wars-Fans verstehen, die da unbedingt reingehen müssen weil es ja zum Franchise gehört. Das ist legitim, man kann ja sein Geld ausgeben wie man möchte. Stellt sich ja nur die Frage: Was will uns Lucas denn ja eigentlich erzählen, was wir nicht schon längst wissen?
Denn schließlich wissen wir doch schon längst was zwischen "Star Wars II" und "Star Wars III" - also den neueren Teilen - passiert, weil es ja schon eine Zeichentrickserie gab, die vom Stil des genialen Gendy Tartakowsky geprägt wurde. ("Power Puff Girls", "Dexters Laboratory" hat der unter anderem gemacht. Guter Stoff übrigens, sollte man mal gesehen haben auch wenn man das zuerst in die "Bäh, ist ja nur Kinderkram"-Ecke stecken möchte. Sowas Subversives im normalen Kinderprogramm sieht man ja nun nicht oft.) Ob man diese Zeichentrickserie nun mag oder ob sie einem wegen des Konzeptes seltsam erscheint - das Ganze wurde ja erst in Miniepisoden um die fünf Minuten gesendet bevor es zusammengeschnitten wurde, was dem Ganzen in meinen Augen nicht gut tat, im Gegensatz zur Doctor-Who-Zeichentrickepisode, da war das besser gelöst - darüber kann man sich streiten. Oder auch nicht.
Womit wir eigentlich in einem Thema sind über das die Who-Fans milde lächlen können: Kontinuität. Während beim Doctor nun nicht unbedingt in den Jahren drauf geachtet wurde ob alles in sich kongruent ist - die neue Serie bemüht sich da zwar, aber so manche Widersprüche gibts halt wegen der alten Serie ebend, so wundert man sich ja schon warum die Racnoss von den Daleks nie entdeckt wurden - so hat George Lucas als Schöpfer des Star-Wars-Universums die Zügel mehr als fest in der Hand. Sicherlich gibts einige Medienformen, die das Universum ausweiten, expandieren - die bei Star Wars wie bei Star Trek aber auch zum Kanon gehören also in der Serienkontinuität durchaus ihren Platz haben.
Im Prinzip also kann Lucas, wenn er sich an die eigenen Regeln hält, in der neuen "The Clone Wars"-Serie, deren Pilotfilm fürs Kino ausgewertet wird - was in Deutschland also eigentlich wenig sinnig ist, es sei denn der Pilotfilm erzählt eine in sich abgeschlossene Geschichte und das Ganze hat keinen Handlungsbogen - nur das wiedergeben was er in "Clone Wars" schon erzählt hat. Denn die Ereignisse, die dort sind, sind ja von ihm fest vorgegeben - und da werden auch die Macher der neuen Serie sich nicht drum rumwinden können. Fakt ist Fakt, da kommt der kreative Mensch nun nicht dran vorbei - vor allem nicht wenn es jemanden wie Lucas gibt, der die Zügel in der Hand behalten möchte.
Was also will Lucas uns jetzt in dieser tollen, schicken, computeranimierten - von wegen Realserie wie es zu Anfang ja noch hieß - Serie erzählen, was er uns nicht schon in "Clone Wars" erzählt hat? Welche Lücken könnte er noch gelassen haben, die die Macher der neuen Serie ausnutzen können?
Im schlechtesten Falle stülpt Lucas nur eine neue Technologie über die Inhalte der alten Geschichte. Was genaugenommen schon etwas Neues wäre: Die Oberfläche hätte sich geändert. Aber dann könnte man sich den Gang ins Kino oder das Warten auf die neue Serie durchaus sparen.
Im besten Falle hat Lucas den Kreativen durchaus Lücken gelassen, die diese mit Leben füllen können - wenn auch die Hauptstränge vorgeben sind, Nebenfiguren oder Handlungen, die die Hauptstränge in einem neuen Licht dastehen lassen könnten wären dann wohl die einzige Möglichkeit dem alten Stoff nochmal Leben einzuhauchen.
Im Endeffekt wird sich Lucas dem Vorwurf stellen müssen dass er alten Wein in neuen Schläuchen präsentiert, was natürlich die Hardcore-Fans nicht abhalten wird ins Kino zu rennen um zu schauen was der Schöpfer der Saga dort wieder angerichtet hat. Ob dann die Serie abgeschmackt sein wird oder munden wird, das muss man dann letzendlich wieder für sich selbst entscheiden. Letztendlich aber sollte man nicht vergessen, dass auch hier letztendlich die Gewinnmaximierung gilt. Und falls Lucas wirklich den Fehler machen sollte nur auf das Geld zu schielen - was letztendlich ja viele schon bei den ersten drei neuen Star-Wars-Filmen vermutet hatten - dann wird auch die beste Computertechnik der Welt diese Serie nicht retten können. (Die wir in Deutschland ja dann sowieso nicht unmittelbar nach dem Kinofilm zu Gesicht bekommen werden - was aber noch eine andere Geschichte ist und ein andermal erzählt werden soll...)